Der SC Oberpullendorf erlebte in der abgelaufenen Saison ein echtes Wechselbad der Gefühle. Als Aufsteiger in die Burgenland-Energie-Landesliga gestartet, gehörte die Mannschaft im Herbst zu den großen positiven Überraschungen. Mit starken Leistungen, acht Siegen, drei Remis und nur zwei Niederlagen überwinterte der SCO sensationell auf dem zweiten Tabellenplatz. Damit war der Klassenerhalt früh in Reichweite, gleichzeitig setzte sich Oberpullendorf sogar im Spitzenfeld der Liga fest.
Nach der Winterpause zeigte sich jedoch ein vollkommen anderes Bild. Die Mannschaft konnte sich nicht mehr an die kompakten und erfolgreichen Auftritte aus der Hinrunde anschließen. Der Schwung war verloren, die Ergebnisse blieben aus, und aus dem Aufsteiger mit Spitzenplatz wurde ein Team, das in der Tabelle immer weiter abrutschte. Besonders die Rückrundentabelle machte den Einbruch deutlich: Mit nur elf Punkten aus 15 Spielen belegte Oberpullendorf dort lediglich den vorletzten Rang.
Die sportliche Talfahrt hatte schließlich auch personelle Konsequenzen. Am 9. Mai musste Trainer Christian Staffler seinen Platz räumen, sein bisheriger Co-Trainer Philipp Moser übernahm die Mannschaft. Doch auch unter neuer Führung gelang es nicht mehr, den Negativtrend entscheidend zu stoppen. Am Ende blieb für den Aufsteiger der neunte Tabellenplatz – ein Rang, der angesichts der starken Herbstrunde fast schon enttäuschend wirkte.
Für die neue Saison steht der SC Oberpullendorf nun vor einer richtungsweisenden Phase. Mit Florian Hotwagner hat man einen neuen Trainer verpflichtet, der zuletzt erfolgreich in Markt Allhau tätig war. Seine wichtigste Aufgabe wird sein, wieder Stabilität in die Mannschaft zu bringen. Der Herbst hat gezeigt, welches Potenzial im Team steckt, das Frühjahr aber ebenso deutlich gemacht, wie schnell fehlende Konstanz eine Saison kippen lassen kann. Oberpullendorf benötigt wieder jene defensive Kompaktheit, mannschaftliche Geschlossenheit und klare Struktur, die den Verein im ersten Saisonabschnitt so stark gemacht haben.
Ligaportal.at sprach mit Michael Heger, Vorstandsmitglied Sport des SC Oberpullendorf, über das Fazit der abgelaufenen Saison, den Trainerwechsel, die Kaderplanung sowie die Ziele für die kommende Spielzeit.
Ligaportal: Wie fällt Ihr persönliches Fazit zur abgelaufenen Saison aus? Was waren Ihrer Meinung nach die Gründe für das Nachlassen im Frühjahr?
Heger: „Grundsätzlich sind wir im Herbst auf der Erfolgswelle nach dem Meistertitel weiter geschwommen. Die Punkteausbeute war extrem stark. Im Frühjahr haben wir bewusst den Weg eingeschlagen, verstärkt auf unsere jungen, eigenen Spieler zu setzen. Ich habe die Leistungen in der Rückrunde nicht so schlecht gesehen, wie es die Punkteausbeute vermuten lässt. Wir konnten allerdings einige enge Spiele nicht auf unsere Seite ziehen.
Ich glaube, dass uns diese Rückrunde bei der Entwicklung der jungen Spieler noch zugutekommen wird. Sie mussten mit Niederlagen und Enttäuschungen umgehen und haben dadurch wertvolle Erfahrungen gesammelt. Wir haben die Saison als Aufsteiger auf einem einstelligen Tabellenplatz beendet, daher besteht für uns kein Grund zu jammern.“
Ligaportal: Wie sind Sie auf Florian Hotwagner als Nachfolger von Christian Staffler gekommen?
Heger: „Wir verfügen als Verein über ein gutes Netzwerk. Ich kenne Florian bereits seit längerer Zeit, und es kommt nur selten vor, dass ein guter Trainer genau dann auf dem Markt ist, wenn man einen benötigt. Florian gefällt der Weg, den wir eingeschlagen haben, daher war das Thema seiner Verpflichtung schnell erledigt. Wir waren bereits früher miteinander in Kontakt, damals hat es vom Timing her jedoch nicht gepasst. Jetzt konnten wir die Zusammenarbeit realisieren, und ich glaube, dass wir uns auf der Trainerposition weiterentwickelt haben. Florian sieht es nach einem Jahr Pause als eine reizvolle Aufgabe, gemeinsam mit uns den eingeschlagenen Weg mit jungen Spielern fortzusetzen.“
Ligaportal: Mit Patrik Erdei vom SV Lackenbach, Csongor Harangozo von der SpG Z-S-P, Julian Ribaritsch und Kevin Fazekas vom ASK Horitschon sowie Oliver Tihanyi vom SV Stegersbach wurden fünf neue Spieler verpflichtet. Dem stehen die Abgänge von Tarik Akbiyik zu den Neudorf/Parndorf Juniors, Alex Damasdi zum SC Neusiedl und Daniel Koltai gegenüber. Wie schwer wiegt insbesondere der Abgang von Goalgetter Alex Damasdi?
Heger: „Da wir einen neuen Trainer haben, wird sich auch unsere Spielweise etwas verändern. Den Abgang von Alex Damasdi konnten wir mit der Verpflichtung von Oliver Tihanyi weitgehend kompensieren. Alex hat sich aus beruflichen und persönlichen Gründen für einen Wechsel nach Neusiedl entschieden. Dagegen konnten wir nichts machen. Er hatte bei uns eine gute Zeit, und wir hätten ihn natürlich gerne behalten.“
Ligaportal: Worauf wurde bei den Neuverpflichtungen besonders geachtet?
Heger: „Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir mit Julian Ribaritsch und Kevin Fazekas zwei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zurückholen konnten. Bei den anderen drei Zugängen haben wir gezielt darauf geachtet, jene Positionen zu besetzen, auf denen wir Handlungsbedarf gesehen haben.“
Ligaportal: Der SC Oberpullendorf trifft in den ersten drei Meisterschaftsspielen auf zwei Aufsteiger. Wie wichtig wäre es, gleich zu Beginn wichtige Punkte einzufahren und mit einem positiven Gefühl in die neue Saison zu starten?
Heger: „Das Spiel gegen Lackenbach ist ein echtes Bezirksderby, bei dem sicherlich einiges los sein wird. Der SC Pinkafeld ist für mich wiederum ein typischer Aufsteiger, der eigentlich über eine Mannschaft mit Landesligaformat verfügt. Das wird für uns ein sehr schweres Auswärtsspiel. Grundsätzlich wollen wir natürlich gut in die Saison starten. Wir wissen aber auch, dass uns gleich zu Beginn anspruchsvolle Aufgaben erwarten.“
Ligaportal: Welches Ziel geben Sie für die neue Saison aus?
Heger: „Die zweite Saison ist für einen Aufsteiger erfahrungsgemäß immer schwierig. Wir möchten erneut die Marke von 40 Punkten anpeilen. Das würde voraussichtlich einen soliden Mittelfeldplatz bedeuten. Im Vordergrund stehen für uns weiterhin die Entwicklung unserer jungen Spieler und die Weiterentwicklung der gesamten Mannschaft.“