Nach fast 49 Jahren Wartezeit hat sich der SV Leithaprodersdorf wieder für die erste Hauptrunde des ÖFB-Cups qualifiziert – und sorgte bei seiner Rückkehr auf die große Fußballbühne gleich für eine Sensation. Zum ersten Pflichtspiel der neuen Saison empfing der Burgenlandligist mit Admira Wacker den Tabellendritten der vergangenen Saison in der 2. Liga.
Für die Hausherren war es eine ganz besondere und reizvolle Aufgabe, nach dieser langen Zeit erstmals wieder vor heimischem Publikum und einem vollen Haus im ÖFB-Cup antreten zu dürfen. Die Rollen schienen vor dem Anpfiff klar verteilt: Alles andere als ein Erfolg der favorisierten Gäste wäre eine große Überraschung gewesen. Doch bekanntlich schreibt der Cup seine eigenen Gesetze – und dieses Mal sorgte Leithaprodersdorf für eine dieser außergewöhnlichen Geschichten. Mit einer leidenschaftlichen und beherzten Vorstellung bezwangen die Burgenländer den Zweitligisten sensationell mit 2:1 und warfen die Admira aus dem Bewerb.
Mehr als 1.200 Zuschauer waren in die LeithArena gepilgert, um sich diesen besonderen Fußball-Leckerbissen nicht entgehen zu lassen. Von Beginn an unterstrichen die Gäste ihre Favoritenrolle, übernahmen das Kommando und drängten die Hausherren weit in die eigene Spielhälfte zurück.
Die erste gefährliche Möglichkeit gehörte dennoch dem SV Leithaprodersdorf. Ein Freistoß von der Strafraumgrenze blieb zunächst in der Mauer hängen, doch der Abpraller gelangte auf die linke Seite. Dort setzte sich Levi Markhardt energisch durch und versenkte den Ball in der 19. Minute mit einem flachen Schuss zur überraschenden 1:0-Führung im Tor der Gäste. In der 30. Minute bot sich der Admira die große Chance auf den Ausgleich. Nach einem Abpraller von Torhüter Fabian Haberl kam ein Gästestürmer aus kurzer Distanz zum Abschluss, setzte den Ball jedoch über das Gehäuse.
Nur drei Minuten später schlugen die Hausherren erneut eiskalt zu. Nach einer Hereingabe in die Mitte des Strafraums stand Tobias Beran goldrichtig und beförderte den Ball abgeklärt zum 2:0 in die Maschen. Die Admira reagierte mit wütenden Angriffen, doch die Defensive der Leithaprodersdorfer präsentierte sich kompakt, leidenschaftlich und aufmerksam. Bis zum Pausenpfiff ließen die Gastgeber keinen Gegentreffer zu und gingen mit einer sensationellen 2:0-Führung in die Kabine.
Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Gäste den Druck erheblich und drängten vehement auf den Anschlusstreffer. In der 57. Minute war es schließlich Sandro Steiner, der zum 1:2 traf und die Begegnung wieder vollkommen offen gestaltete.
Von diesem Zeitpunkt an spielte beinahe nur noch die Admira. Angriff um Angriff rollte auf das Tor der Hausherren zu, doch die Defensive der Santner-Truppe stand wie ein Bollwerk. Mit großem Einsatz, taktischer Disziplin, Können und auch dem notwendigen Quäntchen Glück brachte Leithaprodersdorf den knappen Vorsprung über die Zeit.
Nach dem Schlusspfiff gab es für die Hausherren kein Halten mehr. Die mehr als 1.200 Zuschauer erhoben sich von ihren Plätzen und feierten die Mannschaft mit Standing Ovations. Der SV Leithaprodersdorf war an diesem Abend über sich hinausgewachsen und hatte mit dem 2:1-Erfolg über den Zweitligisten für eine der großen Überraschungen der ersten ÖFB-Cup-Runde gesorgt.
„Ich bin unheimlich stolz auf meine Truppe.“
Ligaportal sprach nach dem Schlusspfiff mit Trainer Mario Santner über seine Emotionen, den überraschenden Erfolg und den Wunschgegner für die nächste Runde.
Ligaportal: Was haben Sie unmittelbar nach dem Schlusspfiff empfunden?
Santner: „Zunächst einmal gebührt dem gesamten Verein ein riesiges Kompliment dafür, wie dieses Spiel organisiert wurde. Das war wirklich Weltklasse. Auch die Stimmung im Stadion war außergewöhnlich. Ein großes Lob gilt daher unseren heimischen Fans.“
Ligaportal: Haben Sie an diesen Erfolg geglaubt?
Santner: „Ja, die gesamte Mannschaft und das Trainerteam haben seit Wochen an diesen Erfolg geglaubt. Meiner Meinung nach war der Sieg auch nicht unverdient. Ich bin unheimlich stolz auf meine Truppe, wie sie heute aufgetreten ist und den Vorsprung über die Zeit gebracht hat.“
Ligaportal: Sind Sie nach dieser Leistung ein Titelfavorit in der Burgenland-Energie-Landesliga?
Santner: „Für das kommende BFV-Cup-Spiel in Nickelsdorf habe ich mir bereits ein paar dicke Seile besorgt, um einige Spieler wieder auf den Boden zurückzuholen, wenn der Fußballalltag beginnt. Ein Titelkandidat sind wir aber noch lange nicht. Vor uns liegen noch 30 Meisterschaftsrunden.“
Ligaportal: Haben Sie einen Wunschgegner für die nächste Runde?
Santner: „Ja, am liebsten eine Mannschaft, die wir besiegen können – zum Beispiel einen Regionalligisten. Die richtigen Kapazunder dürfen dann gerne erst im Achtelfinale kommen.“