super Start in die Meisterschaft, ließ aber, je näher die Winterpause rückte, wichtige Punkte im Kampf um die Tabellenführung liegen. Ein Hauptgrund, warum es in den vergangenen Wochen in Amstetten nur wenig Grund zum Jubel gab, war auch die kleine Stürmer-Krise. Mit Kiril Chokchev und Zoltan Fülöp stehen zwei Topstürmer im Kader, die sich in ihrer Spielanlage sehr ähneln und die Gegner können sich sehr gut auf die beiden Torjäger einstellen. Die Vereinsverantwortlichen müssen sich im Winter Alternativen in der Offensive überlegen, um durchschlagskräftiger zu werden. Amstetten muss mehr über die Flanken kommen und im Spielaufbau unberechenbarer werden – wenn sie das schaffen, werden sie den Titel holen.
Ein kräftiges Wörtchen im Duell um den Aufstieg wird aber auch der SC
Retz mitreden. Ich habe die Retzer schon vor der Saison auf der
Rechnung gehabt. Aber dass die Mannschaft um Spielertrainer Markus
Sukalia nach 15 Runden punktegleich mit Amstetten auf Platz zwei steht,
kam dann doch etwas überraschend. Zwar ist ihnen zum Schluss etwas die
Puste ausgegangen, doch wenn Retz in der Frühjahrsmeisterschaft eine
ähnliche Serie hinlegt, werden sie den Amstettnern einen harten Kampf
um den Meistertitel liefern.
Auch auf den SC Sollenau darf man im Titelkampf nicht vergessen. Mit
lediglich drei Punkten Rückstand ist noch alles möglich. Wenn die
Mannschaft von Trainer Carsten Bjerregaard im Frühjahr noch etwas
konstanter wird und in der Fremde den ein oder anderen Sieg einfahren
kann, können sie das Zünglein an der Waage im Kampf um den Aufstieg
werden. Die Sollenauer sind zwar die Torfabrik der Liga und haben mit
Christoph Knaller den Toptorjäger der 1. NÖN-Landesliga in ihren
Reihen, doch 21 Gegentore und 5 Niederlagen in 15 Runden sind zuviel,
um ganz oben zu stehen.
Auf Platz vier stehen trotz schlechtem Saisonstart die Amateure der
SKNV St. Pölten. Als Aufsteiger ist es immer schwierig, sich an das
höhere Tempo anzupassen. Doch nach und nach haben sie die vielen
ehemaligen Akademiekicker an das Niveau des Erwachsenenfußball gewohnt
und sorgten in den letzten Runde vor der Winterpause für Furore. Gerade
was die Abgebrühtheit und Aggressivität angeht, mussten die Youngsters
noch viel lernen. Vor allem die beiden Verteidigertalente Stephan
Zwierschitz und Michael Popp haben ein ums andere Mal aufgezeigt und
sich für höhere Aufgaben empfohlen. Wenn die St. Pöltner Amateure die
Form aus den vergangenen Runden auch im Frühjahr ausspielen können,
können sie vielleicht noch ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden.
Vom ASV Vösendorf habe ich mir vor der Saison mehr erwartet – und ich
glaube, auch der Verein selbst hat sich von diesem Team mehr erhofft.
Von den Namen her steckt sicher viel Qualität im Kader, doch sie
konnten nur selten überzeugende Leistungen abrufen – sechs Niederlagen
in 15 Runden und 24 Gegentreffer sind einfach zuviel des Guten. Zwar
sind die sechs Punkte, die auf den Spitzenreiter Amstetten fehlen, im
Frühjahr sicherlich aufzuholen, doch ich glaube nicht, dass die
Mannschaft von Trainer Kurt Hoffer in den Titelkampf eingreifen kann.
Auf Platz sechs und sieben stehen mit dem SV Stockerau und dem FC
Mistelbach zwei Mannschaften, die man auch vor der Saison ungefähr so
eingeschätzt hat. Im gesicherten Mittelfeld der 1. NÖN-Landesliga. Vor
allem Mistelbach hat aber teilweise für Furore gesorgt. Mit den
Sensationssiegen gegen Sollenau und Amstetten haben sie gezeigt, wie
viel Potential in der jungen Mannschaft steckt. Wenn die Mistelbacher
noch kompakter und konstanter werden und mit diesem Kader auch in die
kommende Saison gehen kann, werden sie in den nächsten Jahren um den
Titel mitspielen.
Mit dem ASK Kottingbrunn steht eine Mannschaft auf Platz acht, die ich
nach 15 Landesliga-Runden weiter oben erwartet habe und ist eine der
großen Enttäuschungen der laufenden Saison. Gegen Amstetten habe ich
den Kottingbrunnern live auf die Beine geschaut und war von der
Defensivleistung angetan. Sie standen hinten bombensicher und ließen
gegen den Herbstmeister nichts anbrennen. Doch in der Offensive fehlt
es an Durchschlagskraft. Miroslav Baranek ist ein toller Spieler, hat
sich aber noch nicht als DIE Topverstärkung für Kottingbrunn etabliert.
Auch ist die Mannschaft in der Offensive zu abhängig von Baranek – wenn
er nicht ins Spiel findet, ist Kottingbrunn harmlos.
von Anton Pfeffer