In der 1. Klasse West hat ÖTSU Steinakirchen beim SV Raika Essmeister Neumarkt nach einem 0:3 noch ein 3:3 mitgenommen. Trainer Daniel Lehner sprach von „zwei unterschiedlichen Spielhälften“ und benannte auch klar, warum seine Mannschaft lange hinterherlief: „In den ersten 70 Minuten hat uns die Effektivität und die letzte Konsequenz vorm Tor gefehlt.“ Der Punkt in der Nachspielzeit war für ihn deshalb vor allem auch ein Zeichen der Moral.

Image by Alexander Fox | PlaNet Fox from Pixabay
Nach der Roten Karte gegen Daniel Grabner in der 16. Minute schien vieles früh in Richtung der Gäste zu kippen, doch so einfach war es laut Lehner nicht. Steinakirchen hatte zwar lange einen Mann mehr, musste sich aber gegen einen Gegner behaupten, der bis zur Pause diszipliniert verteidigte und kaum etwas zuließ. Der Trainer sprach deshalb bewusst nicht von einer klaren Angelegenheit: „Es waren zwei unterschiedliche Spielhälften.“ Vor allem die erste Hälfte habe ihm gefallen, weil seine Mannschaft „in der Defensive sehr stabil“ gewesen sei und in Umschaltsituationen immer wieder gefährlich geworden sei. Nur der Ertrag habe gefehlt. „Leider hat uns das Tor gefehlt“, sagte Lehner und erinnerte auch an eine riesige Möglichkeit kurz vor der Pause nach schöner Vorarbeit von Jonas Gruber.
Dass es nach dem Seitenwechsel trotzdem plötzlich 0:3 stand, war aus Sicht der Steinakirchner der Abschnitt, in dem ihnen das Spiel entglitt. Benedikt Grünberger brachte Neumarkt in der 51. Minute in Führung, danach legte Jakub Mikula mit seinen Treffern in der 58. und 73. Minute nach. Gerade diese Phase ärgerte Lehner besonders, weil sie aus seiner Sicht nicht zur personellen Lage passte. „In der zweiten Hälfte haben wir mit einem Mann mehr versucht, noch mehr Druck zu machen“, sagte er. Statt selbst konsequenter zu werden, habe seine Mannschaft im Umschalten zu viel angeboten. „Dem Gegner haben wir in den Kontersituationen viel zu einfach Tore ermöglicht“, lautete seine klare Analyse. Aus einer Partie, in der Steinakirchen lange ordentlich im Spiel war, wurde damit auf einmal eine richtig schwere Aufgabe.
Beim 0:3 war die Partie für Steinakirchen aber noch nicht erledigt. Lehner schilderte, dass seine Mannschaft danach „alles noch einmal versucht“ habe, um doch noch etwas mitzunehmen. Wichtig war aus seiner Sicht, dass die Antwort sofort kam: Damian Bogacz verkürzte in der 75. Minute auf 1:3 und brachte die Gäste damit zurück ins Spiel. „Dann hat man beim Gegner auch ein bisschen die Müdigkeit gemerkt“, erklärte der Trainer. Seine Elf habe gespürt, dass noch etwas möglich sei, wenn sie weiter Druck macht und weiter alles riskiert. Alexander Gruber stellte in der 85. Minute auf 2:3, und in der Nachspielzeit war es Jonas Gruber, der mit dem Treffer zum 3:3 in Minute 90+4 tatsächlich noch den Ausgleich schaffte. Aus einem schon verlorenen Nachmittag wurde so doch noch ein Punktgewinn.
Gerade deshalb fiel Lehners Analyse nach dem Schlusspfiff zweigeteilt aus. „In der ersten Hälfte waren sicher wir näher am Sieg“, sagte er, während seine Mannschaft nach dem 0:2 und 0:3 „sicher die glücklichere Mannschaft“ gewesen sei, weil am Ende noch ein Punkt herauskam. Er bescheinigte Neumarkt zudem, nach der Führung „in der Defensive sehr kampfstark“ gewesen zu sein und es den Gästen schwer gemacht zu haben, zu klaren Torchancen zu kommen. Positiv blieb für ihn trotzdem, dass Steinakirchen nicht auseinanderfiel. „In der zweiten Halbzeit haben wir Moral gezeigt und nach dem Rückstand nicht aufgegeben“, hielt der Trainer fest. Bei der Roten Karte gegen Daniel Grabner meinte er zudem: „Die kann man geben, muss man aber nicht.“ So bleibt für Steinakirchen ein Remis, das Mut machen kann, das aber auch deutlich gezeigt hat, wo die Mannschaft in Überzahl sauberer, klarer und vor dem Tor konsequenter auftreten muss.