Ab 22. März rollt in der Gebietsliga Nord/Nordwest wieder der Ball. Nach der Herbstsaison liegt der FC Tulln mit 35 Punkten an der ersten Stelle. Nur einen Sieg dahinter rangiert allerdings auch schon der SC Leopoldsdorf. Die Mannschaft von Stephan Kasmader konnte sich als erster Verfolger der Tullner etablieren und will nun angreifen. Bis die Vorbereitung startet, dauert es noch, doch die Planungen für die Rückrunde laufen bereits auf Hochtouren!
Ligaportal: Herr Kasmader, danke fürs Zeitnehmen. Blicken wir gleich nach vorne: Die Frühjahrssaison beginnt in rund zwei Monaten. Wie sieht aktuell Ihr Fahrplan aus, was Trainingsstart und Vorbereitung betrifft?
Trainer Stephan Kasmader: Wir haben bewusst noch nicht mit dem Training begonnen. Unser offizieller Trainingsstart ist erst Anfang Februar geplant. Das ist eine ganz bewusste Entscheidung. Ich bin kein großer Fan davon, im Amateurbereich extrem früh zu starten. Die Vorbereitungszeit ist ohnehin lang genug, und wenn man zu früh beginnt, wird es für alle Beteiligten mental schwierig, über Wochen hinweg die Spannung hochzuhalten. Mir ist es wichtiger, dass wir dann, wenn wir starten, mit voller Konzentration, guter Trainingsqualität und hoher Motivation arbeiten.
Ligaportal: Wir haben schon einmal in einem früheren Interview darüber gesprochen, dass es im Frühjahr in den vergangenen Saisonen nicht ganz so konstant gelaufen ist wie im Herbst. Ist dieser spätere Trainingsstart auch ein Versuch, genau dort anzusetzen?
Kasmader: Ja, das kann man definitiv so sagen. Es ist sicher einer der Gründe. Wir wollen vermeiden, dass sich die Vorbereitung über zehn oder elf Wochen zieht und die Jungs irgendwann das Gefühl haben, es nimmt kein Ende. Sieben Wochen sind aus meiner Sicht optimal. Dazu kommt, dass wir die Trainingstage ein bisschen angepasst haben, um den Spielern beruflich entgegenzukommen. Letztes Jahr war es teilweise schwierig, weil viele aufgrund ihrer Arbeit nicht regelmäßig trainieren konnten. Das wollen wir heuer besser lösen. Ich bin überzeugt, dass wir damit die Basis legen, um im Frühjahr konstanter zu sein als in der vergangenen Saison.
Ligaportal: Nach der Herbstsaison liegt ihr auf Rang zwei, drei Zähler hinter Tulln und schon zehn Punkte vor Gablitz. Sie sprechen ungern über konkrete Ziele, aber kann man sagen, dass es zumindest darum geht, diesen Platz zu halten?
Kasmader: Ich formuliere es bewusst ein bisschen anders. Unser Ziel ist es, unseren Fußball weiterzuentwickeln und attraktiver zu gestalten, erfolgreichen Fußball zu spielen. Wir wollen, dass die Leute in die zu uns auf den Platz kommen und gerne zuschauen. Was das tabellarisch am Ende bedeutet, wird man sehen. Natürlich wissen wir, wo wir stehen, und natürlich ist es unser Anspruch, möglichst weit vorne zu bleiben. Aber wir definieren uns nicht über Tabellenplätze, sondern über unsere Leistung und unsere Entwicklung als Mannschaft. Jedenfalls wollen wir uns rangtechnisch so gut es geht verbessern – wie man das jetzt interpretieren möchte, kann jeder für sich selbst entscheiden.
Ligaportal: Personell hat sich im Winter ja doch etwas getan. Können Sie die Abgänge und Zugänge kurz einordnen?
Kasmader: Ja, es gab zwei Abgänge. Alen Dedic hat uns verlassen, weil es beruflich und vom Wohnort her einfach nicht mehr gepasst hat. Das war eine saubere, nachvollziehbare Entscheidung. Der zweite Abgang ist Daniel Schöpf, der nach Wolkersdorf gewechselt ist. Auf der Zugangsseite haben wir mit Jonas Bleyer von Wolkersdorf und Julian Hofbauer von Eckartsau zwei Spieler geholt. Uns war wichtig, die Kaderbreite zu erhalten und den Konkurrenzkampf hochzuhalten. Gerade in einer langen Saison brauchst du Alternativen, damit das Trainingsniveau passt und niemand sich sicher fühlen kann.
Ligaportal: Ist damit die Kaderplanung abgeschlossen oder könnte noch etwas passieren?
Kasmader: Stand jetzt ist das erledigt. Wir wollten bewusst frisches Blut reinbringen, ohne alles umzukrempeln. Der Kern der Mannschaft bleibt gleich, das ist uns wichtig. Natürlich kann man im Amateurfußball nie zu 100 Prozent ausschließen, dass sich noch etwas ergibt, aber geplant ist aktuell nichts mehr.
Ligaportal: Wie intensiv beschäftigen Sie sich aktuell schon mit der Vorbereitung, auch was Trainingsinhalte betrifft?
Kasmader: Die Planung läuft natürlich im Hintergrund. Die Einheiten stehen im Groben fest, aber ich bin keiner, der schon sechs Wochen im Voraus jeden Pass festschreibt. Wichtig ist mir, dass wir flexibel bleiben und auf die Mannschaft reagieren. Wir wollen sowohl mit dem Ball als auch gegen den Ball an ein paar Details arbeiten, ohne alles neu zu erfinden.
Ligaportal: Ein Trainingslager ist bei euch kein Thema?
Kasmader: Nein, ganz klar nicht. Ich bin absolut kein Freund davon im Amateurbereich. Die Spieler sind berufstätig, haben Familie, wenig Urlaubstage. Da erwarte ich nicht, dass sie zusätzlich mehrere Tage für ein Trainingslager opfern. Ich denke da sehr spielernah und realistisch. Wir holen das Maximum aus den Trainings hier heraus – das reicht völlig.
Ligaportal: Zum Abschluss noch ein Blick auf die Testspiele. Ihr habt da eine durchaus anspruchsvolle Mischung gewählt.
Kasmader: Ja, das war uns wichtig. Wir starten mit einem etwas leichteren Gegner, Donaustadt aus Wien, um reinzukommen. Danach wollen wir uns aber bewusst fordern – gegen Teams wie Wienerwald oder auch höherklassige Gegner wie der FC Stadlau. Gerade Wienerwald ist interessant, auch weil ich den Trainer gut kenne. Diese Spiele sind ideal, um Dinge auszuprobieren und zu sehen, wo wir stehen – sowohl spielerisch als auch körperlich.