In der Gebietsliga West lieferte sich der SV Reifen Weichberger Oberndorf mit der SG Waidhofen/Ybbs ein wildes 3:3. Die Gäste führten zur Pause 2:0 und stellten nach einer Oberndorfer Antwort noch einmal auf 1:3, ehe die Hausherren in der Nachspielzeit ausglichen. Waidhofen-Trainer Niko Saric sprach von fehlender Schärfe und lobte zugleich die Qualität seiner Torschützen: „Uns fehlten Wille und Leidenschaft, Oberndorf wollte mehr.“ Das Remis passte zu einem intensiven Abend, an dem beide Seiten über weite Strecken alles reinwarfen.

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Waidhofen erwischte einen Traumstart: Schon in Minute 3 sorgte Philipp Zulechner für das 0:1 und gab den Ton vor. Die Gäste blieben effizient, ehe Oberndorf sich selbst weh tat: Ein Eigentor von Julian Schagerl stellte in der 36. Minute auf 0:2, mit diesem Vorsprung ging es auch in die Kabinen. Nach dem Wechsel zog Oberndorf an und kam durch Philipp Penzenauer in der 60. Minute zum 1:2. Waidhofen antwortete nochmals eiskalt: Karim Sallam traf in der 74. Minute zum 1:3. Doch die Schlussphase gehörte den Gastgebern. Daniel Eder verkürzte in der 86. Minute auf 2:3, und in der Nachspielzeit rettete Dusan Majkic mit dem 3:3 (90+4) einen Punkt. „Wir waren nicht griffig in den Zweikämpfen. Oberndorf wollte mehr“, brachte Saric die späte Wende gegen seine Mannschaft auf den Punkt.
In seiner Einschätzung blieb Niko Saric deutlich. „Wir haben individuell sehr gute Fußballer. Das haben wir auch bei den Toren gezeigt, dass wir Qualität haben“, stellte der Waidhofen-Coach klar und verwies auf Zulechner und Sallam, die aus wenigen Momenten viel machten. Gleichzeitig nahm er sein Team in die Pflicht: „Aber wir haben den Kampf, die Leidenschaft und die Schärfe nicht angenommen – das hatte Oberndorf.“ Was am Ende fehlte, fasste er knapp zusammen: „Der unbedingte Wille zu gewinnen, die Leidenschaft.“ Phasenweise gefiel ihm der Auftritt dennoch: „Wir haben nach vorne guten Fußball gespielt, aber nur phasenweise.“ Eine einzelne, spielentscheidende Szene wollte Saric nicht herausheben: „Eigentlich nicht.“ Stattdessen verteilte er Respekt an den Gegner: „Eine junge Mannschaft, sehr laufstark, zweikampfstark, robust, sehr griffig und willig – einfach gut.“ Und zum Unparteiischen sagte er nur: „Er hat seine Sache gut gemacht. Passt.“
Der Punkt teilt die Wege der beiden Klubs vorerst klar: Waidhofen hält nach 20 Runden bei 38 Zählern und rangiert als Dritter weiter im Vorderfeld, während Oberndorf mit 28 Punkten als Achter im gesicherten Mittelfeld liegt. Inhaltlich lieferte der Abend beiden Seiten Stoff für die nächsten Wochen. Waidhofen nahm auswärts drei Treffer mit und bestätigte die Qualität seiner Offensivleute, ließ aber in den Zweikämpfen zu viel zu und brachte eine 1:3-Führung nicht über die Zeit. Genau dort setzt Saric an: mehr Schärfe, mehr Gier, mehr Konstanz über 90 Minuten. Der Respekt vor Oberndorf bleibt, doch der Anspruch ist klar – die gezeigte Qualität vorne soll künftig vom nötigen Biss begleitet werden.