Das zweite Viertelfinalspiel des BFV-Raiffeisencups in Wolfau versprach bereits im Vorfeld Spannung, doch was sich letztlich auf dem Spielfeld abspielte, übertraf die Erwartungen vieler Zuschauer deutlich. Mit dem SV als Vertreter der 2. Klasse und dem Regionalligisten SC/ESV Parndorf 1919 trafen zwei Mannschaften aufeinander, die auf dem Papier kaum unterschiedlicher hätten sein können. Für viele war es daher ein klassisches Duell „David gegen Goliath“, bei dem die Rollen scheinbar klar verteilt waren. Doch Fußball wäre nicht der Sport, der er ist, wenn er nicht immer wieder für Überraschungen sorgen würde. Entgegen allen Prognosen zeigte der Außenseiter eine beeindruckende Leistung, kämpfte mit großem Einsatz und Teamgeist durch die Partie und stellte den Favoriten vor erhebliche Probleme. Was zunächst nach einer klaren Angelegenheit aussah, entwickelte sich zu einem packenden und emotionalen Spiel, das bis zur letzten Minute offenblieb.
Am Ende stand nicht nur ein unerwartetes Ergebnis, sondern auch ein historischer Erfolg für den Underdog, der sich durch Kampfgeist und Nervenstärke auszeichnete. Dennoch wurde der sportliche Triumph von einem dramatischen Zwischenfall nach dem Spielende überschattet, der für zusätzliche Aufregung sorgte.
Über 500 Zuschauer waren zum Sportplatz des SV gepilgert, um dieses Duell zu erleben. Von Beginn an zeigte sich, dass der SV keineswegs gewillt war, sich kampflos seinem favorisierten Gegner zu ergeben, obwohl die Gäste bereits in der 5. Minute durch Raul Bucur mit 1:0 in Führung gingen. Mit großem Einsatz, hoher Laufbereitschaft und einer kompakten Defensivleistung gelang es der Heimmannschaft, den Regionalligisten immer wieder vor Probleme zu stellen. In der 34. Minute versenkte Emil Hamzagic einen Abpraller zum 1:1-Ausgleich im Kasten der Auswärtigen. Parndorf hatte zwar erwartungsgemäß mehr Ballbesitz, fand jedoch nur selten ein Mittel gegen die engagierte Spielweise des Außenseiters. Mit dem 1:1-Pausenstand wurden die Seiten gewechselt.
Kaum hatte Schiedsrichter Habip Tekeli das Spiel wieder angepfiffen, zeigte der Parndorfer Spieler David Dornhackl ein technisches Kabinettstück, als er mit einem sehenswerten Fallrückzieher die Gäste wieder mit 2:1 in Führung brachte. Im weiteren Verlauf der Partie entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, in dem der SV nicht nur defensiv überzeugte, sondern auch offensiv immer wieder gefährliche Akzente setzen konnte. So wurde Luka Bozic in der 76. Minute im Strafraum der Gäste gefoult, den Strafstoß verwandelte Emil Hamzagic mit seinem zweiten Treffer eiskalt zur 2:2-Führung. Die Zuschauer in Wolfau sahen nun ein intensives und temporeiches Spiel, das von Spannung und Emotionen geprägt war. Besonders bemerkenswert war die Moral der Mannschaft, die auch nach Rückschlägen nicht aufgab und stets an ihre Chance glaubte.
Nach regulärer Spielzeit stand ein überraschendes 2:2-Unentschieden auf der Anzeigetafel, Elfmeterschießen war angesagt. Trainer-Schlitzohr Hans Peter Paul hatte in der 88. Minute Torhüter Christoph Csar eingewechselt, da seiner Meinung nach dieser Torwart prädestiniert war, Elfmeter zu halten, was er auch mit drei gehaltenen Strafstößen gezeigt hat. Im Elfmeterschießen bewiesen die Spieler des SV eindrucksvoll ihre Nervenstärke. Sicher verwandelte Schützen sorgten dafür, dass der Außenseiter das Duell vom Punkt mit 4:3 für sich entscheiden konnte. Mit dem entscheidenden Treffer kannte der Jubel keine Grenzen mehr – der Sensationseinzug ins Halbfinale war perfekt.
Allerdings wurde die Freude über den Triumph von einem ernsten Zwischenfall überschattet. Nach dem Spielende kam es zu einem medizinischen Notfall. Nachwuchsspieler Lewin Madl, der in der 61. Minute eingewechselt wurde, musste wegen Schwindelanfälle in der 81. Minute wieder ausgewechselt werden. Bei der anschließenden Siegesfeier hatte er anscheinend einen Kreislaufkollaps bekommen, was den Einsatz eines Rettungshubschraubers erforderlich machte, welcher direkt auf dem Spielfeld landete. Dieser Moment sorgte für Betroffenheit bei allen Anwesenden und erinnerte daran, dass es neben sportlichen Erfolgen auch wichtigere Dinge gibt.
So bleibt dieses Viertelfinalspiel nicht nur aufgrund des überraschenden sportlichen Ausgangs in Erinnerung, sondern auch wegen der außergewöhnlichen Leistung des SV, der eindrucksvoll bewies, dass im Fußball alles möglich ist. Der Sieg gegen einen klassenhöheren Gegner stellt einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte dar und wird Spielern, Verantwortlichen und Fans noch lange in Erinnerung bleiben.
Trotz dieser dramatischen Ereignisse wird das Spiel als ein Abend voller Emotionen, Spannung und unvergesslicher Momente in die Geschichte des Vereins eingehen.
Stimme zum Spiel
Hans Peter Paul, Trainer SV Wolfau:
„Ich hätte in meinen kühnsten Träumen nicht damit gerechnet, dass wir ins Halbfinale kommen. Ich habe mir einen Ehrentreffer und keine allzu hohe Niederlage gewünscht. Aber nachdem die erste Halbzeit für uns gut verlaufen ist, habe ich meinen Jungs gesagt: Die Parndorfer haben Respekt vor euch – spielt genauso weiter. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und auf das, was sie heute bei dieser großartigen Kulisse und der einzigartigen Stimmung auf den Rängen geleistet hat.“