Zum Jahresabschluss 2025 präsentiert Ligaportal noch einmal ein Karriereinterview. Der beschriebene Spieler, den ich persönlich zigmal getroffen habe, ist eine der sympathischsten Persönlichkeiten, mit denen man sprechen kann. Er zeichnet sich durch Konsequenz aus, die sich nicht nur in seinen Fußballstatistiken zeigt: Er gibt auch mit aller Konsequenz keine Interviews. Seine Eltern haben ihm in Nigeria vermittelt, dass Schule und Bildung das A und O des Lebens sind, und er hat dieses Jahr in Österreich die Matura abgeschlossen. Seit Juli 2017, also seit fast neun Jahren, hält er seinem Heimatverein, dem SV Moosburg, die Treue. In 241 Einsätzen bzw. 19 300 Einsatzminuten erzielte er insgesamt 269 Tore. Diese Marke stellt einen beachtlichen Durchschnitt von 1,12 Toren pro Spiel dar. Ein spektakulärer Wert mit fast Alleinstellungsmerkmal. Im Ligaportal-Interview erzählt der Moosburger Stürmer Chigbogu Onuh von seinen ersten Schritten im Fußball in Nigeria und warum er dem SV Moosburg bis heute die Treue hält – egal, welche Anfragen es auch immer gab.

Foto MaTrenk: (Chigbogu Onuh SV Moosburg - grünes Trikot)
Ich bin in einem Teil der Welt aufgewachsen, in dem wir als Kinder alles zum Kicken verwendet haben. Von Flaschen angefangen bis zum normalen Ball, aber immer barfuß. Fußball war damals meine einzige Ablenkung von schulischen Aktivitäten, wobei Schule in meiner Familie die oberste Priorität hatte. Fußball ist also ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, aber mehr als ein seriöses Hobby ist er nicht.
Es mag unglaublich klingen, aber meine heutige Leidenschaft für Fußball war nicht immer da. Als eher zurückhaltendes Kind wurde ich sozusagen zum Fußballspielen „gezwungen“ und habe seitdem Schritt für Schritt meine Leidenschaft dafür entwickelt.
Thierry Henry! Als Kind habe ich zwar als Innen-Verteidiger gespielt aber die Technik von Henry und seine scheinbare Leichtigkeit, mit der er durch die Verteidigerreihen „gleitet“ hat mich immer fasziniert. Kein Wunder, dass ich bis heute noch immer seine Highlights schaue. (lacht)

Foto: SV Moosburg / Chigbogu Onuh Nr: 14
Es gibt nicht einen Grund, sondern viele Gründe warum ich nicht gewechselt habe, und das möchte einfach hier nicht auflisten. Zusammenfassend: Die bedingungslose Liebe und Unterstützung einer Familie zu mir wurde zu meiner Liebe und Unterstützung in der gesamten Gemeinde und manchmal kann man es, so wie ich, nur mit seinem Talent und Dankbarkeit zurückgeben.
Es ist die Frage des Wissens und nicht des Glaubens. Ich weiß, dass meine Person und mein spielerischer Beitrag für die Mannschaft genauso wichtig sind, wie alle anderen Spieler, die für den SV Moosburg auflaufen oder in der Vergangenheit gekämpft haben. Wie mich die Gegenspieler sehen, kann ich nicht sagen, aber was ich definitiv sagen kann, ist wie ich meine Gegenspieler sehe: Menschen, die ihre Hobbys genießen, für ihren Verein kämpfen und glücklich und heil zu ihren Geliebten zurückkehren möchten.
Der größte Erfolg war der Aufstieg in die Unterliga Mitte.
Anmerkung der Redaktion: 27/27/28/19/22/31/27 – das sind keine BMI-Maße, sondern die Torerfolge und somit seine „Marken“ der letzten Saisons.
Ich möchte mit dem SV Moosburg die neue Situation in der Unterliga Mitte weiterhin genießen und meinen Beitrag dazu leisten.

Foto: MaTrenk (Chigbogu Onuh - grünes Trikot)
Ich habe den SV Moosburg von der 2. Klasse weg begleitet, damals kamen nur wenige Zuschauer, an einer Hand abzählbar, heute in der Unterliga zieht mein Team 650 oder mehr Zuschauer an. Neben vielen anderen Höhepunkten ist das das i-Tüpfelchen für mich.
Wenn ich kein Stürmer wäre, würde ich gerne in der Verteidigung spielen. Der Grund dafür ist: Als Verteidiger ist der Job erledigt, wenn du den Ball überall, außer im eigenen Tor, wegbekommst. Einem Stürmer steht solcher Luxus nicht zur Verfügung. Er muss den Ball übermittelt bekommen, sich Platz verschaffen, Verteidiger ausdribbeln, ins Tor schießen – und das, obwohl zuletzt noch ein Torwart vor ihm steht! – und ein Stürmer muss treffen, sonst ist der Job nicht erledigt!
Stürmer zu sein, ist eine schwierige, aber coole Herausforderung. Beim modernen Fußball müssen alle Spieler verteidigen, nur einige wenige greifen an. Also: Mein größter Respekt gilt den Verteidigern! (lacht)
Sobald ich das Spielfeld betrete und die weiße Linie überquere, bin ich auf mich selbst gestellt. Selbst wenn ich bewusst etwas mitbekommen würde, höre ich es nicht. Motivationen von eigenen Zuschauern oder Kritik von gegnerischen Zuschauern haben also keine Wirkung auf mich.
Ein witziges Erlebnis? Nein, da habe ich keines. Nur ein Zitat: „Fußball ist kein dreckiges Geschäft, dreckige Menschen haben Fußball zum dreckigen Geschäft gemacht.” Fußball an sich ist noch immer das „Beautiful Game“.
Wie oft kommt es vor, dass ein Verein zur Familie wird? Der SV Moosburg ist der Inbegriff eines Vereins, der mehr als eine Familie geworden ist. Meine spielerischen und persönlichen Erlebnisse beim SV Moosburg und in der Gemeinde Moosburg werden mir für immer in Erinnerung bleiben. Dafür bin ich sehr dankbar.
In fünf Jahren? Solche langfristigen Pläne habe ich nicht. Ich genieße es, einfach von Saison zu Saison zu denken. (lacht)
Ich werde einfach offen für die nächstmögliche Gelegenheit bleiben – egal, ob im Fußball oder privat.
Klaus Slamanig