Unterliga Ost

SC Globasnitz: „Während der 90 Minuten am Spielfeld, gibt es keine Freunde!“ – Jan Micheu

"Mein Temperament war schuld, dass ich in dieser Saison in kürzester Zeit vier gelbe Karten kassiert habe. Ich tat mir anfangs schwer, nicht auf Pöbeleien und Beleidigungen von außerhalb des Spielfelds zu reagieren. Da war schon der eine oder andere verbale Angriff oder der erhobene Mittelfinger in Richtung der gegnerischen Fans dabei!“, sagt Jan Micheu, Offensivmann des SC Globasnitz, und ergänzt: „Aber dann hat mich mein Trainer und Vater zur Seite genommen und mir eine Standpauke gehalten. Er hat mir vermittelt, dass so etwas an mir abprallen muss. Daran habe ich mich gehalten!“ Jung, temperamentvoll, ehrgeizig, mit starker Technik und gutem Fußballverständnis – so kennt man die Micheus, und so wollen wir sie auch sehen. Nach 363 ÖFB-Bewerbsspielen, 19.000 Einsatzminuten und 244 Toren interviewt Ligaportal Jan Micheu (Jahrgang 2006) in einem Karriereinterview. Micheu gibt Einblicke in seine fußballerischen Anfänge, erklärt, warum er im Sommer von Bleiburg zurück zu seinem Stammverein SC Globasnitz gewechselt ist, und verrät, welches Karrierehighlight er vor Augen hat.

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Foto: Zur Verfügung gestellt von Jan Micheu: SC Gloabsnitz Nr:12

Welchen Stellenwert hat der Fußball in deinem Leben?

Schon sehr früh, als kleines Kind, bin ich mit dem Fußball in Kontakt gekommen. Als Dreijähriger bin ich dem Ball schon sehr schnell hinterhergelaufen.

Für mich gab es nur Fußball. Ich wollte schon immer Fußballprofi werden. Diesem Wunsch habe ich alles untergeordnet, sogar die Schule hat mich nicht wirklich interessiert. Erst in der dritten Klasse der Sport-HAK habe ich begriffen, dass man zwar träumen darf, sich als junger Mensch aber auch der Lebensrealität stellen muss. Dabei war mein Vater meine große Stütze. Er hat mir vor Augen geführt, dass man als Profifußballer immer anderen Gegebenheiten ausgesetzt ist: dem Wohlwollen des Trainers, Trainerentlassungen bei Misserfolg, dem Verletzungsrisiko oder dem Konkurrenzgedanken der Mitspieler. Er hat mir geraten, zusätzlich ein reales Standbein durch eine schulische oder berufliche Ausbildung aufzubauen. Dabei habe ich auch selbst gemerkt, dass der Weg zum Fußballprofi nicht einfach ist und auch für mich schwer zu realisieren war.

Meiner Meinung nach war und ist Fußball immer eine Art große Liebe, derzeit aber mein liebstes Hobby, an dem ich großen Spaß und Ausgleich finde.

Hattest du als Kind einen Lieblingsspieler oder einen Verein, dem du die Treue gehalten hast?

Schon seit Kindheitstagen bin ich Fan von Real Madrid und Cristiano Ronaldo. Ja, ich habe einige Fantrikots.

Du bist im letzten Sommer vom Landesligisten Bleiburg zum SC Globasnitz zurückgewechselt. Warum?

Ich bin von Globasnitz aus zum LAZ, dann zum WAC und schließlich zu Bleiburg gewechselt. Aber mein Heimatverein ist einfach mein Herzensverein, bei dem ich mich am wohlsten fühle. Außerdem ist mein Cousin Andreas Dlopst im Sommer dieses Jahres wieder nach Globasnitz zurückgekehrt. Ich wohne zwar in der Nähe von Bleiburg, habe aber die meiste Zeit meiner Kindheit in Globasnitz verbracht. Hier sind auch die meisten meiner Freunde, die alle beim SC Fußball spielen. Das war der Grund: Ich wollte nach Hause.

Was wäre, wenn du nicht auf deiner angestammten Position spielen müsstest? Wo würdest du dich selbst hinstellen?

Ich bin zwar ein rechter Offensivmann, aber ich würde mich sofort als Torwart aufstellen. Als Schlussmann muss man immer zu 100 Prozent fokussiert und fehlerfrei bleiben, sonst hat man die A-Karte gezogen. Ein Fehler und es kann vorbei sein. Der Torwart trägt die meiste Verantwortung, und das würde mir gefallen.

Was bekommst du während des Spiels von den Fans mit?

Ich bin eben ein waschechter Micheu und wir sind dafür bekannt, dass wir als harte Arbeiter und explosive Spieler auf dem Spielfeld stehen. Deshalb: Ja! Als Außenspieler bekomme ich selbstverständlich alles mit, was an negativen „Komplimenten” und Beleidigungen von außerhalb ins Spielfeld geflogen kommt, und ich habe mich auf dieses verbale Spiel eingelassen. Auch der eine oder andere Finger zeigte in Richtung der Zuschauer. In der Folge standen binnen kürzester Zeit gleich vier gelbe Karten auf meinem Konto. Mein Trainer Karl Micheu hat mich dann im Spiel gegen den SV Leonhard zur Seite genommen und mir eine Standpauke gehalten. Seit diesem Zeitpunkt fokussiere ich mich auf das Geschehen auf dem Feld und stelle meine Ohren auf Durchzug. Jetzt funktioniert es sehr gut.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ich hoffe, dass ich dann als Spieler des SC Globasnitz in der Kärntner Liga spiele. Egal, wohin mich mein fußballerischer Weg auch führt, mein Karriereende-Jahr gehört dem Heimatverein SC Globasnitz.

Welches Bild fällt dir beim Thema Karriere-Highlight ein?

Das war das damalige U16-Spiel mit der Akademie gegen SV Red Bull Salzburg. Unter Trainer Stefan Friessnegger. Wir haben das Spiel gewonnen, ich habe einen Treffer aufgelegt und einen selbst erzielt. Dieses Heimspiel in Klagenfurt war wirklich etwas Besonderes.

Warum wird dir der SC Globasnitz immer in guter Erinnerung bleiben?

In Globasnitz geht es sehr familiär zu. Hier fühle ich mich wohl, denn hier sind meine Freunde. Jeder ist für jeden da, und das zeichnet diesen Verein aus.

Klaus Slamanig