In der 1. Klasse West lieferten sich SV Volksbank Haubi's Petzenkirchen-Bergland und USV Intersport Winninger Ferschnitz ein wildes 4:4. Für Ferschnitz-Trainer Marco Talir war es ein "nervenaufreibendes Spiel mit vielen Toren", bei dem vor allem die Fehler den Verlauf bestimmten. Weil seine Mannschaft trotz mehrerer Rückschläge immer wieder zurückkam, sprach Talir am Ende von einem gerechten Unentschieden – und davon, dass man mit so vielen Fehlern mit diesem Punkt zufrieden sein müsse.

Aus Sicht der Gäste begann die Partie nämlich nicht so, dass ein späteres 4:4 zwingend in der Luft gelegen wäre. Talir verwies darauf, dass Ferschnitz bei 0:0 selbst die Möglichkeit hatte, das Spiel in die eigene Richtung zu lenken. "Bei 0:0 haben wir zwei gute Möglichkeiten, um in Führung zu gehen. Das haben wir leider nicht genutzt und auf einmal waren wir 2:0 zurück", sagte der Trainer. Genau diese Phase ärgerte ihn im Rückblick, weil Petzenkirchen dann in kurzer Zeit zuschlug. David Schroll brachte die Gastgeber in der 29. Minute in Führung, nur vier Minuten später erhöhte Daniel Rabi auf 2:0. Ferschnitz war damit unter Druck, fand aber vor der Pause noch die richtige Antwort. Matus Jorik verkürzte in der 39. Minute auf 2:1, und Talir sprach von einem wichtigen Treffer, weil seine Mannschaft damit zur Halbzeit noch klar im Spiel blieb.
Wer gedacht hatte, dass sich die Partie nach dem Seitenwechsel etwas beruhigen würde, lag daneben. Talir schilderte auch den Beginn der zweiten Hälfte als vergebene Möglichkeit, sofort die Wende einzuleiten. "Gleich nach der Halbzeit hatten wir nach 30 Sekunden die Möglichkeit auf das 2:2. Die haben wir nicht genutzt", sagte er. Der Ausgleich fiel dann dennoch, als Daniel Sitz in der 55. Minute auf 2:2 stellte. Lange hielt dieses Zwischenresultat aber nicht, denn Andrei-Florin Dronca brachte Petzenkirchen schon zwei Minuten später wieder nach vorne. Auch darauf fand Ferschnitz sofort eine Antwort: Radoslav Arvensis traf in der 59. Minute zum 3:3. Talir sprach im Gespräch vom "Tag der offenen Tür in Petzenkirchen" und meinte damit genau diese offenen Phasen, in denen auf gute Aktionen sofort neue Fehler folgten. Als Dronca in der 71. Minute erneut für die Gastgeber traf und das 4:3 erzielte, schien Petzenkirchen wieder auf Kurs. Doch Ferschnitz kam auch dieses Mal zurück und rettete sich durch Matthias Lehner in der 79. Minute noch zum 4:4.
Talir beließ es nach dem Schlusspfiff nicht bei einer reinen Beschreibung des Spektakels, sondern legte den Finger klar in die Wunde. "Zu viele individuelle Fehler und dadurch ist das Ergebnis zustande gekommen", sagte er sehr deutlich. Gleichzeitig sah er aber auch Dinge, auf die seine Mannschaft aufbauen kann. "Wir haben immer wieder sehr gute Momente, wo wir gut ins letzte Drittel kommen, wo wir einen guten Spielaufbau haben", erklärte der Ferschnitz-Coach. Vor allem bei ruhenden Bällen bleibt seine Mannschaft gefährlich. "Die Standards sind nach wie vor überragend. Wieder drei Standardtore erzielt. Da kann man sich nicht beschweren. Das ist eine Waffe von uns", sagte Talir. Gerade deshalb wiegt für ihn umso schwerer, dass diese guten Phasen noch zu oft von nachlässigen Momenten unterbrochen werden. "Wir müssen die Konzentration über 90 Minuten hochhalten und das gelingt uns leider noch nicht."
Am Ende war Talir mit seiner Einordnung deshalb klar und ohne große Ausflüchte. "Aufgrund des Spielverlaufs ist das Unentschieden in Ordnung. Es hätte auf beide Seiten ausgehen können", sagte er. Auch den Gegner ordnete er respektvoll ein: "In Petzenkirchen ist immer ein schwieriges Spiel. Sie haben Qualität in ihren Reihen und man muss auf 100 Prozent kommen, um dort zu gewinnen." Genau das sah er bei seiner Mannschaft nicht über die gesamte Distanz. Diskussionen über einzelne Entscheidungen wollte er gar nicht erst groß aufmachen: Der Schiedsrichter habe seine Sache in Ordnung gemacht, und Entscheidungen müsse man akzeptieren. Für Ferschnitz bleibt damit nach einem unterhaltsamen, aber aus Trainersicht auch lehrreichen Nachmittag vor allem eine Aufgabe: die guten Momente länger halten, die Fehler im Aufbau abstellen und aus einer offensiv gefährlichen Mannschaft auch über volle 90 Minuten eine stabile Mannschaft machen.