In der 2. Klasse Ybbstal musste sich der FC Sonntagberg am Samstag beim FCU Mayr-Bau Ertl klar mit 1:5 geschlagen geben. Das Ergebnis liest sich deutlich, Trainer Pren Zefi sprach danach aber von einer „extrem großen Enttäuschung“, weil er seine Mannschaft über weite Strecken sogar als die bessere sah. Für ihn waren nicht nur die ersten Gegentore, sondern vor allem die ausgelassene Chancenflut der Grund dafür, dass Sonntagberg ohne etwas Zählbares heimfuhr.

Foto: Harald Dostal/fodo.media
Wer nur auf den Halbzeitstand blickt, würde eine einseitige Partie vermuten. Auf der Anzeigetafel war sie das auch, denn Ertl schlug vor der Pause eiskalt zu. Elias Lohnecker stellte in der 19. Minute auf 1:0, Patrik Halda legte in der 24. Minute das 2:0 nach. Richtig bitter wurde es für die Gäste in der Schlussphase des ersten Durchgangs, als Paul Lohnecker in Minute 41 und Dominik Hinterbichler nur zwei Minuten später zum 4:0 trafen. Nach dem Seitenwechsel verkürzte David Plank in der 61. Minute auf 1:4, den letzten Treffer setzte Oliver Pressleitner in der Nachspielzeit zum 5:1. Gerade dieser Gegensatz zwischen Spielstand und eigener Wahrnehmung saß bei Zefi tief. „Wir waren über 90 Minuten klar die bessere Mannschaft“, sagte der Sonntagberg-Coach und verwies darauf, dass seine Elf aus seiner Sicht gut begonnen und das Spiel lange in die Hand genommen habe.
Verloren ging die Partie für Zefi vor allem in den Szenen vor den ersten Gegentreffern. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihn die Art dieser Tore besonders ärgerte. „Die ersten zwei Tore darfst du nie bekommen“, sagte er deutlich. Vor allem im eigenen Strafraum habe seine Mannschaft nicht konsequent genug verteidigt. Beim ersten Treffer störte ihn die fehlende Wachsamkeit nach einer Standardsituation. „Da kommt der Ball auf die zweite Stange, da waren wir nicht wach genug. Da steht einer alleine und köpft ihn hinein. Das darf nicht passieren“, so Zefi. Insgesamt sah er in diesen Minuten zu wenig Präsenz rund um den eigenen Sechzehner. Gerade dort müsse seine Mannschaft „im Zentrum ein bisschen wacher sein und enger am Mann“, weil genau das im Moment noch fehle. Dass Sonntagberg nach dem 0:2 im Kopf zu arbeiten begann, sprach der Trainer ebenfalls offen an, auch wenn er seiner Elf zugutehielt, die Partie danach nicht aufgegeben zu haben.
Noch größer als der Ärger über die Gegentore war beim Sonntagberg-Trainer allerdings der Frust über die vergebenen Möglichkeiten. Auf die Frage, was seiner Mannschaft gefehlt habe, antwortete er kurz und unmissverständlich: „Tore schießen. Ganz einfach.“ Zefi sprach davon, dass seine Elf schon in der ersten Halbzeit „drei, sogar vier Tore machen“ müsse. Auch nach der Pause habe Sonntagberg laut seiner Darstellung immer wieder Lösungen gefunden und sich Chance um Chance erarbeitet. „Wir haben im Minutentakt unsere Chancen kreiert“, sagte er. Mehrfach sei man alleine auf den Tormann zugelaufen, dazu seien weitere hochkarätige Möglichkeiten ungenützt geblieben. Entsprechend drastisch fiel auch sein Urteil aus: „Auch wenn es 5:1 ausgegangen ist, hätte die Partie 8:5 oder 9:5 für uns ausgehen müssen.“ Das 4:1 durch David Plank änderte aus seiner Sicht deshalb nichts am Hauptthema des Abends. Für Zefi war nicht das Herausspielen der Chancen das Problem, sondern einzig die mangelnde Konsequenz vor dem Tor.
Trotz der klaren Niederlage wollte Zefi nicht alles schlechtreden. Mit der Spielweise seiner Mannschaft, mit der Bereitschaft und mit dem Auftreten konnte er wesentlich mehr anfangen als mit dem Resultat. „Mit der Einstellung, mit dem Einsatz und mit der Bereitschaft der Mannschaft kann ich leben“, sagte er. Er sprach von einem aktiven Auftritt seiner Mannschaft, die den Gegner gepresst, viele Angriffe sauber ausgespielt und auf dem kleinen, schwer bespielbaren Platz dennoch immer wieder fußballerische Lösungen gefunden habe. Auch den Gegner sah er spielerisch nicht so stark, wie er es im Vorfeld erwartet hatte: „Ich habe mir Ertl stärker vorgestellt.“ Am Grundtenor änderte das aber nichts. Die Niederlage schmerzte, weil Sonntagberg laut Zefi in vielen Bereichen das zeigte, was man sich vorgenommen hatte. „Wir müssen weiterarbeiten und dranbleiben“, sagte der Trainer zum Schluss. Viel Zeit zum Hadern will er seiner Mannschaft also nicht geben.