In der 2. Landesliga Ost hat sich SV Wienerwald am Freitagabend gegen SV Sierndorf mit 6:0 durchgesetzt, doch so klar, wie es das Ergebnis am Ende aussehen lässt, war die Partie zunächst nicht. Trainer Michael Gössinger sah eine ausgeglichene erste Halbzeit und einen klaren Knackpunkt nach der Pause: „Nach dem 2:0 ist das Spiel in unsere Richtung gekippt.“

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Der spätere Kantersieg hatte aus Sicht von Michael Gössinger einen deutlich ausgeglicheneren Beginn, als es der Endstand vermuten lässt. „Es war grundsätzlich eine sehr ausgeglichene erste Halbzeit. Der Gegner hatte eine gute Spielidee, da haben wir ein bisschen Schwierigkeiten gehabt“, sagte der Wienerwald-Trainer nach dem Schlusspfiff. Sierndorf hielt also nicht nur mit, sondern forderte die Gastgeber über weite Strecken der ersten 45 Minuten durchaus. Dass Wienerwald trotzdem in Führung ging, war deshalb umso wichtiger. In der 33. Minute nutzte die Heimelf einen Ballverlust des Gegners nach einem Einwurf in dessen eigener Hälfte konsequent aus. Über Samuel Liptak wurde die Situation sauber zu Ende gespielt, Fabio Schuckert musste am Ende nur noch den Fuß hinhalten und stellte auf 1:0. Gössinger schilderte genau diese Szene als Beispiel dafür, dass seine Mannschaft ihre Momente gut nutzen konnte. Ganz ruhig wurde es danach aber noch nicht, denn kurz nach dem 1:0 hatte Sierndorf laut Gössinger noch einen Stangenschuss. So blieb die Partie bis zur Pause offen, auch wenn Wienerwald mit dem 1:0 im Rücken in die Kabine ging.
Die entscheidende Phase begann nach der Pause. Gössinger machte sehr klar, welcher Treffer für ihn das Spiel endgültig auf die Seite seiner Mannschaft gezogen hat: „Grundsätzlich war es das 2:0, das das Spiel dann in unsere Richtung kippen hat lassen.“ Dieses 2:0 fiel in der 63. Minute und entstand nach einem hohen Ballgewinn von David Würfel, der auf Samuel Liptak durchsteckte. Liptak lief allein auf den Tormann zu und vollendete zum 2:0. Danach kam Wienerwald richtig ins Rollen. Nur sechs Minuten später fiel das 3:0 durch David Würfel, diesmal bei einer umgekehrten Aktion mit Liptak als Vorbereiter. In der 72. Minute erhöhte Florian Wirth per Handelfmeter auf 4:0, eine Entscheidung, die Gössinger ausdrücklich als gerechtfertigt bezeichnete. Damit war die Partie endgültig entschieden, Wienerwald blieb aber weiter am Drücker. In der 77. Minute kam noch das 5:0 dazu, als sich Liptak auf der Seite stark durchsetzte, scharf zur Mitte spielte und Jan Felix Wiesauer den Ball ins eigene Tor beförderte. Den Schlusspunkt setzte Benjamin Wallquist in der Nachspielzeit nach einem Eckball per Kopf zum 6:0.
Dass das Spiel nach dem Seitenwechsel so deutlich wurde, führte Gössinger vor allem auf zwei Dinge zurück: auf Anpassungen in der Pause und auf ein besseres Offensivpressing. „In der ersten Halbzeit hatten wir da ein bisschen Probleme, aber in der zweiten Halbzeit hat das ganz gut funktioniert“, erklärte der Trainer. Genau darin lag aus seiner Sicht einer der größten Unterschiede zwischen den beiden Hälften. Während Sierndorf vor der Pause mit seiner Spielidee noch Lösungen fand und Wienerwald beschäftigen konnte, bekamen die Gastgeber das Spiel später immer besser unter Kontrolle. Dazu kam, dass Wienerwald seine Chancen nach dem 2:0 auch konsequent nutzte. Gössinger formulierte es deutlich: „Die Chancenauswertung war in der zweiten Halbzeit sehr, sehr gut.“ Gleichzeitig war er mit der Arbeit gegen den Ball zufrieden. „Außer dem Stangenschuss und einer Halbchance in der ersten Halbzeit haben wir sehr, sehr wenig zugelassen“, sagte er. Bemerkenswert war auch, dass Gössinger den klar unterlegenen Gegner trotz des Endstands ausdrücklich aufwertete. „Aufgrund der Tabellensituation hat der Gegner einen sehr gefälligen, guten Fußball gespielt und ist mit einer guten Spielidee ins Spiel gegangen“, meinte er. Bis zum 2:0 habe Sierndorf seine Mannschaft „schon irgendwie gefordert“.
Unterm Strich steht für Wienerwald ein 6:0-Heimsieg, mit dem die Mannschaft nach 13 Runden bei 27 Punkten hält und auf Rang drei bleibt. Für Gössinger war dieses Spiel aber nicht einfach eine Partie, die von Beginn an klar lief, sondern eine Begegnung mit zwei klar unterschiedlichen Gesichtern. Vor der Pause musste seine Mannschaft arbeiten, sich anpassen und gegen einen gut organisierten Gegner Lösungen finden. Nach dem 2:0 aber nutzte Wienerwald seine Räume, kam immer wieder zu Abschlüssen und hätte nach Ansicht des Trainers sogar noch höher gewinnen können. „Nach dem 2:0 haben wir noch sehr viele Torchancen gehabt. Zu den restlichen vier Toren hätten wir sicher noch ein, zwei Tore mehr machen können“, sagte Gössinger. Genau darin steckt auch die Einordnung dieses Abends: Das 6:0 war am Ende sehr deutlich, entstanden ist es aber aus einer Partie, die lange offen war und erst mit dem zweiten Treffer endgültig kippte.