Spielberichte

Christopher Bruckner (SC St. Martin): „Klassisches 0:0 – wir können viel mehr“

SC St. Martin
USV Raabs/Thaya

Viel Druck, wenige Chancen: Bei SC St. Martin prägten Nervosität und Abstiegssorge das Duell mit USV Raabs/Thaya in der Gebietsliga Nordwest/Waldviertel. Trainer Christopher Bruckner sprach offen von einem echten Abstiegsmatch. „Es war meiner Meinung nach eine klassische 0:0-Partie“, sagte er – und doch fiel kurz nach der Pause das 0:1 nach einer Ecke. Trotz der Niederlage hob Bruckner Stabilität, Einsatz und die klare Reaktion seiner Mannschaft hervor. Der mentale Druck in diesem Sechs-Punkte-Spiel sei deutlich spürbar gewesen; ein Remis wäre aus seiner Sicht verdient gewesen.

Mannschaft schwört sich vor dem Spiel ein - im Vordergrund ist das Tor zu sehen

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Kontrolle ohne Durchbruch

Über weite Strecken der ersten Halbzeit bestimmte St. Martin Rhythmus und Ball, ohne zwingend zu werden. „Wir hatten 60 bis 70 Prozent Ballbesitz, aber nicht wirklich zwingende Chancen. Wir haben es gut gemacht bis ins letzte Drittel – dann haben die entscheidenden Momente gefehlt“, schilderte Bruckner. Erst kurz vor der Pause boten sich zwei große Möglichkeiten: Einmal wurde die Nummer 8 freigespielt, schloss aus rund 15 Metern überhastet ab und setzte den Ball knapp an die rechte Stange vorbei. Kurz darauf steckte St. Martin ideal auf die Nummer 7 durch, die frei auf den Torwart hätte zulaufen können – die Entscheidung im letzten Moment fiel jedoch unglücklich aus. Bruckners Fazit vor dem Seitenwechsel: Der Plan trug bis ins letzte Drittel, dort fehlten Präzision, Mut im Abschluss und Timing im Tiefgang.

Der Knackpunkt nach Wiederanpfiff

Unmittelbar nach der Pause kippte die Partie in einer unglücklichen Sequenz: Ein Rückpassversuch versprang auf dem holprigen Untergrund und führte zum Eckball. „Da hat die Zuteilung einfach nicht gepasst“, so der Trainer – USV Raabs/Thaya nutzte die schlechte Staffelung und traf per Kopf zum 0:1 (51., Torschütze: Florian Kranzl). In der Folge zog sich Raabs kompakt zurück, nahm das Tempo heraus und machte die Räume eng. Bruckner hatte dieses Bild erwartet: „Sie wollten das Spiel zerstören und haben das sehr gut gemacht. Sie haben wirklich alles wegverteidigt und uns hinten stark zugestellt.“ St. Martin drückte dennoch auf den Ausgleich: „Wir hatten noch einmal ein, zwei gute Möglichkeiten – kurz vor Schluss nach einer Ecke ein Flugkopfball unserer Nummer 9, der leider fünf Zentimeter neben die Stange geht.“ Für Bruckner steht fest: „Ein Unentschieden wäre meiner Meinung nach ein gerechtes Ergebnis gewesen.“

Lichtblicke, Defensivfundament und Personalsorgen

Ein deutliches Plus verortete der Coach in der Stabilität gegen den Ball: „Defensiv haben wir es sehr, sehr gut gemacht. Wir haben eigentlich 90 Minuten nichts zugelassen – außer dem Eckball, der zum Tor geführt hat.“ Herausragend agierte Linksverteidiger Roland Pischinger: „Unsere Nummer 5 war wirklich sehr gut auf der Linksverteidigerposition. Er hatte ihre Nummer 11, einen ihrer besten Torschützen mit, glaube ich, acht, neun Toren, 90 Minuten im Griff. Das hat er sehr, sehr gut gemacht.“ Offensiv blieb es hingegen hinter den eigenen Ansprüchen: „Wir haben leider nicht so umgesetzt, was wir in der siebenwöchigen Vorbereitung erarbeitet hatten. Diese Gegenbewegungen, die wir schon gut drinnen hatten, haben wir vorne zu wenig auf den Platz gebracht. Der Druck auf die Spieler war einfach sehr groß – man hat gemerkt, dass wir nicht befreit aufspielen konnten.“ Auch personell muss St. Martin improvisieren: „Unsere Nummer 10, Clemens Weissenbäck, hat einen Seitenbandeinriss am Knöchel und wird uns wahrscheinlich noch zwei bis drei Wochen fehlen. Martin Hobbiger plagt eine Schambeinentzündung und fehlt sicher noch ein bis zwei Wochen. Und unser Innenverteidiger mit der Nummer 15 war vor dem Spiel wegen Leistenproblemen fraglich, ist dann aber Gott sei Dank doch gegangen.“ Trotz aller Widrigkeiten sendet Bruckner ein klares Signal: „Wir wissen, wir sind absolut abgeschlagen Letzter – aber ich weiß, dass wir viel, viel mehr können. Wenn der Druck nachlässt, werden wir das in den nächsten Wochen auch zeigen.“

Gebietsliga Nordwest/Waldviertel: St. Martin : Raabs - 0:1 (0:0)

  • 51
    Florian Kranzl 0:1