Die Karten werden neu gemischt: Am 28. August startet die Liga 1 in die Saison 2026/27 – und die Ausgangslage verspricht einiges. Der HCU Randegg 05 geht nach einer nahezu makellosen Meistersaison als großer Gejagter ins Rennen. Dahinter lauern die bekannten Herausforderer, zwei ambitionierte Aufsteiger – und auch das Rennen um die Torjägerkrone könnte eine Neuauflage bekommen. Die Spannung steigt!
Wer über den Titel spricht, kommt am HCU Randegg 05 nicht vorbei. Elf Siege, ein Remis, keine einzige Niederlage und ein Torverhältnis von 46:12: Der HCU drückte der vergangenen Saison klar seinen Stempel auf und fixierte den Meistertitel bereits drei Spiele vor Schluss. Mit dem 3:1 im Cupfinale gegen Dürrhäusl setzte Randegg schließlich noch einen drauf und holte im Juni in Purgstall vor mehr als 200 Zuschauern das Double. Die Frage ist daher weniger, ob Randegg wieder zum Favoritenkreis zählt. Vielmehr: Wer schafft es diesmal, den Meister über eine ganze Saison ernsthaft unter Druck zu setzen?

Der SFC Kolm hat dafür wohl die besten Argumente aus der Vorsaison. Die Kolmer landeten mit 23 Punkten (überraschend?) auf Rang zwei, Manuel Loibl und Lukas Hammerl schafften zudem den Sprung ins Team der Saison. Mit „Long John“ Daniel Enengl haben die Kolmer außerdem den besten Tormann der vergangenen Saison in ihren Reihen. Neue Impulse auf dem Feld soll auch der neue Cheftrainer Manuel Hölzl bringen.
Mit Cupfinalist HC Dürrhäusl ist immer zu rechnen. Medienberichten zufolge haben sich die Dürrhäusler auch heuer wieder gut verstärkt, dem nächsten Angriff auf Randegg sollte also nichts im Wege stehen. Dafür braucht es aber auch mehr Konstanz – letzte Saison zog man etwa gegen Reinsberg gleich zweimal den Kürzeren. Gleich zum Auftakt darf der HCD als Erster testen, wie satt der Double-Sieger tatsächlich ist: Am 28. August gastiert Randegg bei den Blau-Weißen.
Eine der spannendsten Geschichten könnte sich derweil abseits der Tabelle entwickeln. Sebastian Wagner war mit 16 Treffern der Torschützenkönig der vergangenen Liga-1-Saison und ein wesentlicher Faktor für Randeggs Offensivpower. Doch einer blieb ihm dicht auf den Fersen: Kevin Hohensteiner mit zwölf Toren.
Der Reinsberger Torjäger hatte bereits beim Aufstieg 2024/25 mit 20 Treffern für Furore gesorgt und bewies anschließend, dass sein Torriecher natürlich auch eine Liga höher funktioniert. Ganz auf Hohensteiner allein ist Reinsberg jedenfalls nicht angewiesen. Mit Fabian Kraus – zehn Treffer und ebenfalls im Team der vergangenen Saison – verfügt der HCR über eine weitere verlässliche Offensivwaffe. 37 Tore waren am Ende sogar der zweitbeste Wert der Liga, nicht zuletzt auch dank Clemens Rechberger, der immer mehr Potenzial aufblitzen lässt.
Das größte Manko des HCR bleibt die Defensive, wie 33 Gegentore beweisen. Positiv: Captain Alexander Lorenz dürfte im Herbst wieder vermehrt zur Verfügung stehen – sicher kein Nachteil für die Kulturdorf-Kicker.
Nicht aus den Augen verlieren sollte man die Landpartie Purgstall. Nur 13 Gegentore kassierten die Purgstaller in zwölf Spielen – weniger hatte neben Randegg kein Team. Bei vier Siegen, vier Remis und vier Niederlagen fehlte allerdings offensiv öfter der letzte Punch.
Auch wenn Reinsberg der Landpartie das Finale Dahoam vermieste, trat der Verein beim Cupfinale und der Saisonabschlussfeier als perfekter Gastgeber auf. Ganz so freundlich wollen die Kicker rund um Gig Reisinger die Gegner im Herbst wohl nicht mehr empfangen.
Für besonders viel Spannung sorgt der Blick auf die SU Dorfstetten. Nach nur einem Jahr in Liga 2 sind die Waldviertler zurück – und wie. Zehn Siege, ein Remis und ein Torverhältnis von 30:4 sowie der verdiente Meistertitel sprechen eine deutliche Sprache.
Bemerkenswert ist dabei vor allem, wie Dorfstetten diesen Titel holte. Nicht der eine überragende Torjäger prägte die Saison, sondern ein geschlossenes Kollektiv, eine beinahe unüberwindbare Defensive und ein Fan-Support, der selbst für MFL-Verhältnisse außergewöhnlich war. Beim Meisterstück in Stössing begleiteten 110 Fans ihre Mannschaft auf die eineinhalbstündige Auswärtsfahrt. Respekt!
Nun folgt der Härtetest: Kann dieses Dorfstettner Kollektiv rund um die Top-Defensive auch in Liga 1 performen?

Eine erste Standortbestimmung gibt es gleich am ersten Spieltag – und die hat ihren eigenen Reiz. Mit dem FC Kasten kommt ausgerechnet der zweite Aufsteiger nach Dorfstetten. Kasten erzielte in Liga 2 starke 39 Treffer und stellte damit sogar die beste Offensive. Meister gegen Vizemeister also – diesmal eine Etage höher. Man darf gespannt sein, wie es den nahe Böheimkirchen beheimateten Kickern heuer in Liga 1 geht. Während Platz 5 zum Klassenerhalt reicht, steigt der Letzte ab, das sechstplatzierte Team muss beim Saisonabschluss in Dorfstetten in die Relegation gegen den Zweiten der 2. Liga.
Genau darin liegt der Reiz dieser neuen Saison: Randegg startet als klare Messlatte, Kolm und Dürrhäusl wollen den Abstand verkürzen, Reinsberg bringt reichlich Offensivpower mit. Dazu kommen mit Dorfstetten und Kasten zwei Aufsteiger, die ihre Liga im Vorjahr auf völlig unterschiedliche Weise prägten.
Wer kann Randegg stoppen? Hält Dorfstettens Bollwerk auch in Liga 1? Und heißt das Duell um die Torjägerkrone wieder Wagner gegen Hohensteiner?
Ab 28. August fallen die ersten Antworten. Dorfstetten empfängt Kasten, Dürrhäusl fordert Meister Randegg. Einen Tag später treffen Kolm und Purgstall aufeinander.
Die Bühne für eine spannende Saison ist jedenfalls bereitet.