In der II. Liga Nord hat sich der USC Wallern dem SC Kittsee mit 1:2 geschlagen geben müssen. Nach torloser erster Hälfte brachte Patrick Mayer die Gastgeber in Front, doch Kittsee drehte die Partie in der Schlussphase noch durch Daniel Valach und Jakub Lieskovsky. Trainer Martin Grabenbauer sah vor allem die Geduld und den ungebrochenen Glauben seiner Mannschaft als Schlüssel zum späten Auswärtssieg.

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Grabenbauer erlebte von der ersten Minute an eine Partie, die kaum Anlaufzeit brauchte. „Das Spiel hat sehr flott begonnen auf beiden Seiten. Beide Seiten hatten offene Visiere und spielten mutig nach vorne“, sagte der Kittsee-Trainer nach dem Schlusspfiff. Genau so schilderte er auch die erste Halbzeit: nicht abwartend, nicht zäh, sondern mit Tempo, Umschaltmomenten und Chancen auf beiden Seiten. Aus seiner Sicht sprach schon vor der Pause vieles dafür, dass auf beiden Seiten Treffer fallen hätten können. „Jede Mannschaft hatte drei hundertprozentige Torchancen. Die Tormänner haben super gehalten. Es hätte ganz locker 2:2 oder 3:3 stehen können in der Pause“, meinte Grabenbauer. Dass es mit einem 0:0 in die Kabinen ging, war also weniger ein Zeichen für fehlende Offensivkraft als vielmehr dafür, dass beide Schlussmänner ihre Teams im Spiel hielten. Der Kittsee-Coach sprach deshalb auch von einem „interessanten, hochklassigen Spiel“, in dem Wallern als kompakte und spielstarke Mannschaft auftrat. „Das ist eine Mannschaft, die gute Qualität hat, gefährliche Spieler hat und immer wieder gut ist, gefährlich zu werden“, hielt er fest.
Unmittelbar nach der Pause nahm die Begegnung dann jene Wendung, die aus Kittseer Sicht zunächst gegen den eigenen Plan lief. In der 51. Minute traf Patrick Mayer zum 1:0 für Wallern. Grabenbauer machte daraus kein großes Rätsel, sondern sprach einen Fehler auf der rechten Abwehrseite klar an. „Wir haben dort etwas unglücklich agiert und die nötigen Zweikämpfe nicht gewonnen, die zu gewinnen gewesen wären“, sagte er. Der erste Abschluss konnte von Kittsee zwar noch abgewehrt werden, im Nachsetzen war Mayer dann aber erfolgreich. Danach, so schilderte es der Trainer, veränderte sich das Bild ein wenig. Wallern konzentrierte sich stärker auf das Verteidigen, Kittsee bekam mehr Ballbesitz und mehr Räume. Entscheidend war für Grabenbauer aber nicht nur dieser Umstand, sondern die Reaktion seiner Mannschaft. „Dass meine Mannschaft nicht ungeduldig geworden ist, dass sie nicht hektisch geworden ist, dass sie weiter Fußball gespielt hat und weiter an sich geglaubt hat, das war entscheidend“, erklärte er. Kittsee blieb also am Drücker und suchte weiter spielerische Lösungen. In der 84. Minute fiel dann der Ausgleich. Dem Strafstoß war laut Grabenbauer ein Zuspiel von Tobias Wisak auf Maximilian Mikula vorausgegangen, der dann in ein Laufduell kam. Den Zusammenstoß selbst wollte der Trainer nicht bewerten. „Ob dieser Elfmeter zu geben gewesen wäre oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Ich war viel zu weit weg“, sagte er ausdrücklich. Daniel Valach verwandelte zum 1:1, und genau dort setzte für Grabenbauer der wichtigste Gedanke des ganzen Nachmittags an.
Denn mit dem Ausgleich gab sich Kittsee eben nicht zufrieden. Das war für den Trainer die eigentliche Botschaft dieses Spiels. „Mit dem 1:1 in der 84. Minute hat sich die Mannschaft nicht zufriedengegeben“, sagte Grabenbauer und hob damit weniger eine einzelne Szene als die Haltung seiner Elf hervor. Gerade auswärts in Wallern, kurz vor Schluss, könne man ein Remis durchaus mitnehmen. Seine Mannschaft habe aber weiter verteidigt, weiter nach vorne gespielt und weiter versucht, das Spiel noch zu gewinnen. In dieser Drangphase arbeitete sich Kittsee noch einen Corner heraus, und aus dieser Standardsituation fiel in der 88. Minute der Siegtreffer. Daniel Valach brachte den Ball zur Mitte, Jakub Lieskovsky verwertete per Kopf zum 2:1. „Sie wollten dieses Spiel noch gewinnen. Sie wollten noch Akzente setzen, sie wollten noch einen Impact haben, und den haben sie dann mit dieser Standardsituation gehabt“, sagte Grabenbauer. Er sprach zwar auch davon, dass der Sieg „vielleicht etwas glücklich“ zustande gekommen sei, legte sich in der Gesamtbewertung aber klar fest: „Diese drei Punkte waren hoch verdient und sehr verdient.“ Ebenso wichtig war ihm, dass die Partie fair geblieben sei. Den Schiedsrichter wollte er bewusst nicht in den Mittelpunkt rücken. „Ich glaube nicht, dass der Schiedsrichter allzu groß auf dieses Spiel eingewirkt hat“, meinte der Trainer.
Inhaltlich nahm Grabenbauer aus Wallern vor allem das Positive mit. Er sah seine Mannschaft gut organisiert, mit einem klaren Plan und mit der Bereitschaft, spielerische Lösungen zu suchen. „Wir waren gut organisiert. Wir hatten einen klaren Spielplan, der relativ gut aufgegangen ist“, sagte er. Gleichzeitig verschwieg er nicht, wo noch Luft nach oben bleibt. Kittsee habe zwar gute Chancen herausgespielt, müsse solche Möglichkeiten in Zukunft aber noch besser verwerten. Dazu komme der Anspruch, dem Gegner insgesamt weniger zu erlauben. „Wenn wir die Chancen haben und sie in Zukunft besser verwerten, dann müssen wir trotzdem immer darauf achtgeben, dass wir dem Gegner nicht so viele Möglichkeiten bieten“, erklärte er. Dass dieser Sieg in der Tabelle Gewicht hat, liegt auf der Hand: Kittsee hält nach sechs Runden bei 13 Punkten und bleibt damit in der Spitzengruppe. Entsprechend richtet sich der Blick schon auf die kommende Aufgabe. „Jetzt haben wir nächste Woche ein Spitzenspiel gegen Siegendorf. Da hoffen wir auf ein volles Haus und tolle Unterstützung“, sagte Grabenbauer. Nach einem Nachmittag, an dem Kittsee in Wallern lange dranblieb und sich am Ende noch belohnte, reist der Tabellendritte jedenfalls mit viel Rückenwind in dieses Duell.