Spielberichte

Rapid Lienz 1b - Trainer Tolga Sarisaltik: "Nicht nur Appetit, sondern Hunger haben"

Rapid Lienz 1b

Nach Platz elf in der 2. Klasse A zieht Trainer Tolga Sarisaltik trotzdem eine ruhige Bilanz. Der Coach spricht von einer Saison, die "gut in Ordnung" gehe, weil seine sehr junge Mannschaft nach einem Winter-Umbruch mit vielen U17-Spielern weiterlernen musste. Jetzt wartet schon die nächste Aufgabe: ein noch jüngerer Kader und wieder viel Entwicklungsarbeit.

Fußball mit Sternen-Design auf Rasen

Foto von Daniel Norin auf Unsplash

Die Tabelle erzählt nur einen Teil der Geschichte

Wer nur auf die Endabrechnung schaut, sieht bei Rapid Lienz 1b Rang elf mit 25 Punkten aus 24 Spielen und die 4. beste Defensive der Liga. Für Sarisaltik greift das aber zu kurz. "Im Großen und Ganzen können wir sehr zufrieden sein", sagt der Trainer und macht gleich klar, worauf es ihm in dieser Mannschaft ankommt. "Wir haben mit einer jungen Mannschaft gespielt und bei uns stand die Entwicklung im Vordergrund." Gerade deshalb bewertet er die Monate nicht nur nach Resultaten. Der Saisonverlauf zeigt ohnehin, wie schwankend diese Spielzeit war. Man bewegte sich immer wieder im Bereich zwischen Rang drei und acht, ehe sie in der Schlussphase noch zurückfiel. Die letzten fünf Spiele brachten nur einen Punkt, aber auch diese Serie ist für den Trainer nicht die ganze Wahrheit über seine Mannschaft.

Der Winter brachte den großen Umbruch

Der entscheidende Einschnitt kam laut Sarisaltik in der Winterpause. "Wir hatten einen Kaderumbruch. Viele Stammspieler aus der 1b sind in die erste Mannschaft aufgerückt", erklärt er. Damit war klar, dass die Rückrunde nicht mehr unter denselben Voraussetzungen weiterlaufen würde. Der Trainer musste die Saison mit vielen U17-Spielern zu Ende spielen, und genau das prägt auch seine Rückschau. "Die haben ihre Arbeit teilweise sehr gut gemacht", sagt Sarisaltik, der die Entwicklung dieser jungen Gruppe ausdrücklich hervorhebt. Seine Schlussfolgerung fällt deshalb trotz der schwierigen Phase positiv aus: "Diese Saison geht gut in Ordnung und wir möchten uns stetig weiter verbessern." Auch personell bleibt Bewegung drin. Einen fixen Abgang gibt es mit Emri Rexhepi, der den Verein im Sommer verlassen wird. "Emri hat mich und diese Mannschaft immer unterstützt", sagt Sarisaltik und verbindet das mit einem klaren Dank sowie guten Wünschen für die kommende Saison.

Sechs U17-Spieler rücken nach

Viel ruhiger wird es im Sommer nicht, im Gegenteil. Externe Neuzugänge gibt es bislang kaum, zwei oder drei Namen sind noch im Gespräch. Fix ist aber schon jetzt, dass Sarisaltik gleich sechs Spieler aus der eigenen U17 hochgezogen hat. Damit wird Rapid Lienz 1b in der neuen Saison sogar noch jünger. "Diese Spieler müssen Erfahrung sammeln, viel trainieren und sich körperlich auf eine andere Herausforderung einstellen", sagt der Trainer. Für ihn ist klar, dass der Sprung aus dem Nachwuchs kein kleiner ist, weil dort eben nicht mehr nur gegen Gleichaltrige gespielt wird. Trotzdem sieht er die Jungen auf einem guten Weg. "Das wird für diese Spieler eine Challenge, die sie aber gut annehmen werden", sagt Sarisaltik. Dazu kommen ein paar angeschlagene Spieler, die laut Trainer in zwei bis drei Wochen wieder ins Training einsteigen sollen und bis zum Meisterschaftsbeginn schon einige Einheiten absolviert haben dürften.

Reset-Taste, Geduld und ein klarer Anspruch

An seiner grundsätzlichen Linie will Sarisaltik dabei nichts ändern. Einzelne Spieler stellt er bewusst nicht in den Vordergrund, weil für ihn die Mannschaft entscheidend ist. "Wenn jeder an sich arbeitet und jeder ein Stück weit besser wird, dann wird automatisch die Mannschaft besser", sagt er. Diese Entwicklung versteht er nicht als kurzfristige Sache. "Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon", betont der Trainer. Deshalb gehe es jetzt wieder darum, "die Reset-Taste zu drücken", mit der neuen Gruppe von vorne zu beginnen, Fehler zuzulassen und daraus zu lernen. Im Umfeld bleibt dabei alles beim Alten, Veränderungen im Trainerstab oder auf Funktionärsebene gibt es keine. Für Sarisaltik zählt ohnehin etwas anderes am meisten: Einsatz, Reaktion auf Rückschläge und die Haltung in der Gruppe. "Es darf jeder einen Fehler machen. Wichtig ist, wie die Person dann reagiert und wie wir als Mannschaft reagieren", sagt er. Den Schlusssatz liefert er selbst gleich mit: "Das Allerwichtigste ist für mich, dass wir nicht nur Appetit, sondern Hunger haben."