In der Kärntner Liga hat der TSV Grafenstein das Heimspiel gegen FC St. Michael/Lav. mit 6:2 gewonnen und dabei genau jene Räume genutzt, die Trainer Alexander Stroj nach dem Schlusspfiff als Schlüssel nannte. Weil die Gäste mutig mitspielten, bekam Grafenstein ungewöhnlich viel Platz, kam nach dem ersten Treffer ins Rollen und stellte schon vor der Pause auf 4:0. Das passte perfekt zur Einschätzung des Trainers, der seine Mannschaft über 90 Minuten als sehr stark sah.

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Stroj hatte ein anderes Spiel erwartet, weil Gegner gegen Grafenstein sonst oft tief stehen und in erster Linie ans Verteidigen denken. Diesmal war es anders. St. Michael trat, wie der Grafensteiner Trainer sagte, „von Anfang bis zum Schluss in allen Spielphasen sehr mutig“ auf. Grafenstein bekam Räume, die es in den vergangenen Wochen laut Stroj nur selten gab, und wusste damit etwas anzufangen. „Mit diesen Möglichkeiten und diesen Räumen war meine Mannschaft über neunzig Minuten absolut top“, sagte er. Dabei gefiel ihm nicht nur das Spiel mit Ball. Er sprach auch von Phasen, in denen seine Mannschaft tiefer verteidigte und danach „unglaubliche Umschaltaktionen“ zeigte, ehe wieder dominante Ballbesitzphasen folgten. Für die Zuschauer sei es, so Stroj, deshalb „ein sehr, sehr cooles Spiel mit vielen Toren“ gewesen.
Auf der Anzeigetafel zeigte sich diese Entwicklung vor allem rund um die Mitte der ersten Halbzeit. Nico Sorger brachte Grafenstein in der 25. Minute mit 1:0 in Führung und legte nur zwei Minuten später das 2:0 nach. Für Stroj war genau dieser Moment besonders wichtig. „Ein frühes 1:0 verändert den Spielverlauf ein bisschen“, erklärte er, weil der Gegner danach mehr investieren müsse und die führende Mannschaft ihr Spiel mit dem Vorsprung im Rücken anpassen könne. Genauso lief es diesmal. Bernhard Walzl erhöhte in der 39. Minute auf 3:0 und stellte kurz vor der Pause auch noch auf 4:0. Aus einem zunächst offenen Spiel war damit schon zur Halbzeit eine klare Geschichte geworden. Grafenstein hatte die Freiräume konsequent genutzt und die Gäste früh unter Druck gesetzt.
Dass der Sieg am Ende so deutlich ausfiel, führte der Grafensteiner Trainer auch auf eine bessere Verwertung der Möglichkeiten zurück. „Wir hatten heute eine gute Chancenauswertung, wo wir in den letzten Wochen Probleme hatten“, sagte Stroj. Nach der Pause verkürzte Luca Martin Schüssler in der 70. Minute zwar auf 4:1, doch Grafenstein antwortete sofort. Walzl stellte zwei Minuten später den alten Abstand wieder her, ehe Nico Sorger in der 80. Minute seinen dritten Treffer des Abends zum 6:1 folgen ließ. Besonders hob Stroj dabei einen Abschluss hervor und geriet regelrecht ins Schwärmen: „Dieses Tor aus 20 Metern in den Winkel hält auf diesem Planeten niemand.“ Den Schlusspunkt setzte auf Seiten der Gäste noch einmal Schüssler, der in der 90. Minute auf 6:2 stellte. Am klaren Verlauf änderte dieser Treffer aber nichts mehr.
Dennoch wollte Stroj die Leistung der Gäste nicht kleinreden. St. Michael sei „in allen Spielphasen durchgehend“ mutig aufgetreten, vielleicht „auch etwas zu selbstbewusst“, wenn man die Qualität seiner eigenen Mannschaft miteinbeziehe, sagte der Trainer, schob aber sofort ein anerkennendes „Hut ab“ hinterher. Ganz ohne Gesprächsstoff blieb der Abend trotzdem nicht. Stroj verwies auf drei strittige Situationen in der zweiten Hälfte, ordnete sie aber bewusst ein, weil das Resultat klar genug war. Zwei weitere Treffer von Walzl wurden zurückgepfiffen, beide Mal war es um mindestens einen Meter kein Abseits, dazu schilderte er vor dem 6:2 eine Szene, in der der Linienrichter die Fahne über 10 Sekunden oben hatte, das Spiel aber weiterlief und wir das 6:2 kassierten. Gerade deshalb war ihm wichtig festzuhalten: „Fehler können immer passieren, auch vom Schiedsrichter, auch von Spielern, auch von Trainern.“ Den Auftritt des Hauptschiedsrichters nannte er insgesamt „sehr in Ordnung“. Er war sehr froh dass das Ergebnis eindeutig war und diese Situationen keinen Einfluss auf den Ausgang des Spiels hatten. Viel lieber sprach der Grafensteiner Coach aber über seine eigene Mannschaft: „Ich bin sehr zufrieden und stolz auf meine Mannschaft. Genauso müssen wir weitermachen.“ Mit dem 6:2 hält Grafenstein nach acht Runden bei 17 Punkten und bleibt im Spitzenfeld der Kärntner Liga.