In der Unterliga West hat sich SV Raika Greifenburg am Samstag in einer turbulenten Partie 3:3 von der WSG VAO Radenthein getrennt. Die Gastgeber führten zur Pause 2:1, lagen später 2:3 zurück und retteten am Ende noch einen Punkt. Trainer Raphael Neuhauser sah genug Chancen für mehr, sprach nach dem Spiel aber vor allem über das Hauptproblem seiner Mannschaft: "Wir bekommen zu billige Gegentore und machen uns dadurch das Leben selber schwer."

Image by Phillip Kofler from Pixabay
Die Partie hatte schon in der ersten Halbzeit alles, was aus Sicht der Heimischen für einen erfolgreichen Nachmittag hätte sprechen können. Nach 19 Minuten brachte Kevin Tomsic Greifenburg mit 1:0 in Führung, und Neuhauser hob danach vor allem die Entstehung hervor. "Wir haben ein schnelles 1:0 gemacht, das wir mit einem guten Laufweg erzwungen haben", sagte der Trainer. Ruhe brachte diese Führung aber nicht in die Partie. In der 39. Minute glich Markus Steinwender für Radenthein aus, nachdem die Gastgeber laut ihrem Coach einen "billigen Ausgleich" nach einem Abwehrfehler hinnehmen mussten. Entscheidend für die erste Hälfte war dann aber die Reaktion der Heimischen. Nur drei Minuten später stellte Daniel Thalmann nach einem Eckball per Kopf auf 2:1. "Nach dem Ausgleich sind wir gleich wieder zurückgekommen", sagte Neuhauser, der deshalb auch überzeugt war, dass seine Mannschaft mit einer verdienten Führung in die Pause ging.
Was Greifenburg vor dem Seitenwechsel noch gut beantwortet hatte, geriet unmittelbar nach Wiederbeginn wieder ins Wanken. In der 47. Minute traf Patrick Markus Unterlerchner zum 2:2, und Neuhauser sprach von einem "Super-Schuss", der seine Mannschaft gleich nach der Halbzeit erwischte. Dieser Gegentreffer ärgerte ihn auch deshalb, weil die Führung aus seiner Sicht zu leicht verspielt wurde. Noch schwieriger wurde es für die Gastgeber dann in der 69. Minute, als Daniel Thalmann ein Eigentor zum 2:3 unterlief und Radenthein damit erstmals in Führung brachte. Greifenburg musste also erneut einem Rückstand hinterherlaufen, kam aber in der Schlussphase noch einmal zurück. In Minute 85 war es Stefan Norbert Weisinger, der das 3:3 erzielte und damit zumindest noch einen Punkt festhielt. Neuhauser sprach danach davon, dass seine Mannschaft sich damit "zum Glück" doch noch belohnt habe.
Dass es am Ende trotzdem nicht zum Heimsieg reichte, ordnete der Greifenburg-Trainer sehr nüchtern ein. "Im Endeffekt geht das Unentschieden in Ordnung", meinte Neuhauser, obwohl er die Möglichkeiten eher auf der eigenen Seite sah. Er sprach von einem Querlattentreffer und von "der ein oder anderen hundertprozentigen Chance", die seine Elf ungenutzt ließ. Gleichzeitig machte er aber auch klar, dass Radenthein seinen Anteil an diesem Punkt hatte. Die Gäste blieben gefährlich, und bei einem Angriff musste Greifenburgs Tormann Stefan Podesser stark eingreifen. "Das Spiel kann auf beide Seiten kippen. Wir können das Spiel gewinnen, Radenthein kann das Spiel gewinnen", sagte Neuhauser. Genau dieser Satz beschreibt den Nachmittag ziemlich treffend. Greifenburg hatte zwar das Chancenplus, schaffte es aber nicht, aus diesen Vorteilen genug Kapital zu schlagen, während Radenthein mit viel Laufarbeit und Einsatz immer wieder in der Partie blieb.
Bemerkenswert war nach dem Schlusspfiff, dass Neuhauser weder mit Ausreden arbeitete noch sich an Nebenthemen festhielt. Den Gästen stellte er vielmehr ein klares Zeugnis aus. "Radenthein war kämpferisch an dem Tag sicher besser als wir und hat sich den Punkt mehr als verdient", sagte der Trainer. Auch den entscheidenden Mangel bei seiner eigenen Mannschaft benannte er offen: "Der letzte Wille, das Spiel unbedingt zu gewinnen, hat gefehlt." Zwei strittige Situationen sprach er zwar an, wollte sie aber nicht größer machen, als sie waren. Einmal habe Greifenburg Glück gehabt, einmal hätte es auf der anderen Seite ebenfalls anders ausgehen können, insgesamt sei die Leistung des Schiedsrichters aber in Ordnung gewesen. Nach dem 8:1 in der Vorwoche gegen Thal/Assling könne man mit diesem 3:3 leben, meinte Neuhauser. "Ein Punkt ist besser als keiner", sagte er, schob aber ebenso deutlich nach, dass sich seine Mannschaft "in einigen Bereichen noch steigern" müsse. Genau zwischen diesen beiden Aussagen bewegt sich Greifenburg nach diesem Nachmittag: nicht unzufrieden mit dem Zähler, aber auch weit davon entfernt, mit dem eigenen Auftritt ganz im Reinen zu sein.