In der 1. Klasse Nord hat SV GG Haringsee beim USV 1950 Hauskirchen nach einer völlig verpatzten ersten Hälfte noch ein 3:3 geholt. Zur Pause lagen die Gäste bereits 0:3 zurück, nach dem Seitenwechsel kippte das Bild aber komplett. Trainer Lukas Kiss sprach danach von einem Punkt, „der sich fast wie ein Sieg anfühlt“.

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Für Haringsee begann der Abend so, wie es sich ein Trainer von außen nicht anschauen will. Kiss war nach seiner Gelb-Rot-Sperre nur auf der Tribüne und sah dort eine erste Halbzeit, mit der er überhaupt nicht zufrieden war. „Die erste Halbzeit haben wir komplett verschlafen. Wir waren körperlich und geistig nicht anwesend am Platz“, sagte der Haringsee-Coach offen. Hauskirchen war in dieser Phase klar da, Haringsee dagegen zu passiv. Das schlug sich auch am Spielstand nieder. Stefan Zeiner brachte die Gastgeber in Minute 30 in Führung, nur zwei Minuten später legte Florian Schön das 2:0 nach. Kiss meinte zwar, dass sich seine Mannschaft nach dem zweiten Gegentor kurz etwas gefangen habe, doch noch vor der Pause setzte Hauskirchen den nächsten Stich. Filip Kukucka traf in der 43. Minute zum 3:0. Für den Trainer war dieses Tor „ein Dämpfer“, weil seine Mannschaft gerade in eine Phase gekommen sei, in der sie langsam besser ins Spiel fand. Gleichzeitig sagte er aber auch, dass Hauskirchen in der ersten Hälfte „sehr präsent“ und „sehr dominant“ gewesen sei. Gerade diese Dynamik des Gegners habe ihn beeindruckt.
In der Pause, so erzählte Kiss, sei es in der Kabine lauter geworden. Er selbst habe das nur von außen mitbekommen, weil er ja nicht an der Linie stehen durfte. Dass diese Reaktion etwas ausgelöst hat, war danach aber deutlich zu sehen. „In der zweiten Halbzeit waren wir meiner Meinung nach klar die bessere Mannschaft“, sagte der Trainer. Haringsee spielte nun genau so, wie es Kiss sehen will: „Sehr druckvoll, sehr aktiv, fast überfordernd für den Gegner.“ Vor allem in den Zweikämpfen war eine andere Mannschaft am Platz. „Wir haben endlich die Zweikämpfe angenommen und auch Zweikämpfe gewonnen“, so der Coach. Aus diesem Auftritt entstand dann auch die Aufholjagd. In der 56. Minute verkürzte Fabian Gold auf 1:3. Nur eine Minute später war Philipp Puschina zum ersten Mal zur Stelle und stellte auf 2:3. Als Puschina in der 62. Minute auch noch das 3:3 nachlegte, war das Spiel endgültig gekippt. Kiss brachte diese Phase später knapp, aber passend auf den Punkt: „Wir haben in Wahrheit das Spiel in sechs Minuten gedreht.“
Mit dem Ausgleich war Haringsee aber noch nicht zufrieden. Kiss hatte vielmehr das Gefühl, dass nach dem 3:3 sogar noch mehr drinnen gewesen wäre. „Meiner Meinung nach waren wir nach der zweiten Halbzeit fast näher am Sieg“, sagte er. Seine Begründung war klar: Hauskirchen habe in Hälfte eins aus drei guten Chancen drei Tore gemacht, Haringsee habe nach der Pause aber fünf oder sechs Möglichkeiten gehabt, um noch ein viertes Tor nachzulegen. Dazu kam laut Kiss auch ein Lattentreffer, bei dem für ihn von außen nicht klar zu erkennen war, ob der Ball auf, vor oder hinter der Linie wieder herausgesprungen ist. Gerade in dieser Phase störte ihn vor allem eines: „Wir haben zu wenig aufs Tor geschossen. Wir haben immer versucht, mit dem Ball ins Tor zu laufen.“ Genau darin sah der Trainer am Ende auch den Punkt, der die komplette Wende verhindert hat. Strittige Entscheidungen wollte er dabei nicht zum Hauptthema machen. Er sagte zwar, dass einige Fünfzig-Fünfzig-Situationen aus seiner Sicht eher für den Gegner ausgefallen seien, stellte aber auch klar: „Die Schiedsrichter sind keine Roboter, sondern auch nur Menschen.“
So blieb am Ende ein 3:3, das sich bei Haringsee deutlich besser anfühlte als ein gewöhnliches Remis. Nach einer ersten Hälfte, in der laut Kiss „gar nix funktioniert“ habe, holte seine Mannschaft nicht nur drei Tore auf, sondern zeigte auch genau die Reaktion, die er sehen wollte. „Meine Mannschaft hat sehr charakterlich stark gespielt“, sagte der Trainer, der mit dem Auftritt nach der Pause ausdrücklich zufrieden war. Deshalb fiel auch seine Gesamtbewertung positiv aus: „Grundsätzlich bin ich trotzdem zufrieden mit meiner Mannschaft, mit dem Punkt, der sich nach der ersten Halbzeit fast wie ein Sieg anfühlt.“ Für Haringsee bleibt nach diesem Abend damit beides stehen: die klare Warnung aus einer schwachen ersten Halbzeit und die ebenso klare Bestätigung, dass diese Mannschaft mit Druck, Aktivität und gewonnenen Zweikämpfen ein Spiel auch nach einem 0:3 noch zurückholen kann.