In der 1. Klasse Süd hat Sportclub Pottenstein das Derby bei SC Berndorf nach einem 2:2 zur Pause noch mit 2:4 verloren. Pottensteins Obmann-Stv. Haydar Sahin machte nach dem Spiel vor allem die Rote Karte gegen Tormann Ömer Ilhan in Minute 27 als Knackpunkt aus. Gleichzeitig sprach er von einem Derby, dem auf beiden Seiten die gewohnte Leidenschaft fehlte, und von zu wenig Konsequenz vor dem Tor.
Pottenstein war nach Sahins Einschätzung nicht gut in die Partie gekommen, lag aber dennoch nach 20 Minuten voran. Arlind Krasniqi brachte die Gäste mit einem Freistoßtor 1:0 in Führung, und der Obmann-Stv. meinte, dass seine Mannschaft danach besser ins Spiel gefunden habe. Der große Einschnitt folgte dann aber in Minute 27 mit der Roten Karte gegen Tormann Ömer Ilhan. Wir verfügen über Videoaufnahmen, auf denen klar ersichtlich ist, dass unser Tormann den Ball innerhalb des Strafraums abgefangen hat und nicht, wie vom Schiedsrichter entschieden, außerhalb. Die daraus resultierende Rote Karte gegen unseren Tormann war somit unberechtigt. „Diese Aktion hat den Spielverlauf beeinflusst und eigentlich auch das Ergebnis so entstehen lassen“, sagte Sahin. Dass seine Mannschaft trotz dieses Rückschlags zur Pause noch beim 2:2 stand, zeigte aber auch, dass die Partie in der ersten Halbzeit lange offen blieb. Abdullah Dzafo glich für Berndorf in der 36. Minute aus, Florin Codrean drehte das Spiel noch vor dem Seitenwechsel, ehe Lukas Gunzinam in der Nachspielzeit der ersten Hälfte das 2:2 für Pottenstein erzielte.
Für Sahin blieb es nicht nur bei der Unterzahl als Problem. Durch den Ausschluss des Tormanns musste Pottenstein personell sofort umstellen, dazu kamen laut seiner Darstellung noch mehrere verletzungsbedingte Wechsel. „Wir hatten nicht die Möglichkeit zu reagieren“, sagte er und verwies darauf, dass sein Team mit einem Mann weniger und den erzwungenen Änderungen kaum noch nachlegen konnte. Genau in dieser Phase zog Berndorf das Spiel auf seine Seite. Emilio Iljas Kaya stellte in Minute 60 auf 3:2, nur vier Minuten später erhöhte Baran Kaplan auf 4:2. Für Pottensteins Vorstand war damit auch klar, warum das Derby kippte. „Die haben die Chancen genutzt, im Gegensatz zu uns“, sagte Sahin. Und er legte nach: „Wir wurden durch unsere eigenen Fehler bestraft. Wir haben immer versucht, schön rauszuspielen, statt den Ball einfach wegzuschießen.“
Deutlich wurde Sahin nach dem Schlusspfiff auch beim Blick auf die Art des Spiels. „Das war nicht wirklich das Derbyspiel, das wir uns erwartet hätten“, sagte er und meinte damit nicht nur seine eigene Mannschaft. Aus seiner Sicht hätten beide Seiten das Duell nicht so repräsentiert, wie man es von einem Berndorf-Pottenstein erwartet. „Leidenschaft hätte ich mir mehr erwartet von der Mannschaft. Wille und Ehrgeiz hätten einfach mehr da sein müssen“, so seine klare Einschätzung. Interessant war auch seine Bewertung der Schiedsrichterleistung: Diese sei für ihn grundsätzlich in Ordnung gewesen, nur die Szene um die Rote Karte stelle für ihn alles in den Schatten. Damit bleibt für Pottenstein nach Runde drei ein 2:4, das nach 0:1-Führung und 2:2 zur Pause besonders ärgerlich wirkt. In der Tabelle halten die Gäste nun bei vier Punkten, und aufzuarbeiten gibt es genug: die fehlende Derby-Schärfe, die eigenen Fehler und eine Partie, die nach dem Ausschluss nicht mehr in ihre Richtung lief.