In der 1. Klasse West-Mitte hat der Sportclub Kirchberg an der Pielach am Freitagabend gegen USV Eichgraben nach spektakulären 90 Minuten nur ein 4:4 mitgenommen. Nach einer 4:2-Pausenführung war für die Gastgeber lange mehr drin, ehe der Ausgleich in der letzten Aktion fiel. „Wir haben eine unglaublich gute erste Halbzeit gespielt“, sagte Obmann-Stellvertreter Jürgen Grasmann, der vor allem das bittere Ende hervorhob.

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Die erste Hälfte war aus Kirchberger Sicht genau jener Auftritt, den man sich gegen einen spielstarken Gegner wünscht. Schon in der 7. Minute brachte David Copko die Heimischen nach einem schnellen Angriff mit 1:0 in Führung, nur zwei Minuten später legte Kilian Glitzner das 2:0 nach. Grasmann sprach von „zwei schnellen Umschaltmomenten“ und genau daraus zog Kirchberg an diesem Abend viel. Eichgraben verkürzte durch Mehmet Ciftcisoy nach 20 Minuten zwar auf 2:1, doch Kirchberg blieb mutig und antwortete wieder sofort. Pavol Sivak stellte zehn Minuten darauf per Elfmeter auf 3:1, Fabio Hickersberger brachte die Gäste in der 35. Minute nochmals auf 3:2 heran, ehe Gabriel Zagler mit dem 4:2 60 Sekunden später den Schlusspunkt unter eine wilde erste Halbzeit setzte. Für Grasmann war das mehr als nur eine gute Phase: „Wir haben in der ersten Hälfte unglaublich gut Fußball gespielt und gute Umschaltmomente gehabt. Vier Tore gegen Eichgraben musst du erst einmal machen.“
So stark Kirchberg vor dem Seitenwechsel auftrat, so deutlich veränderte sich das Bild danach. Eichgraben bekam immer mehr Zugriff, hatte laut Grasmann „immer mehr die Oberhand“ und drückte die Gastgeber über weite Strecken in die Defensive. Dazu kam, dass Kirchbergs Tormann mehrmals eingreifen musste und seine Mannschaft lange im Spiel hielt. Der Anschlusstreffer zum 4:3 in der 73. Minute fiel nach einem Elfmeter, den der Kirchberger Schlussmann noch an die Stange lenkte, ehe Turan Aydin im Nachschuss verwertete. In der Nachspielzeit wurde es dann noch einmal völlig hektisch. Nach der Roten Karte gegen Gentrit Thaqi hatte Kirchberg in Überzahl einen Freistoß in der 94. Minute, brachte den Ball aber nicht aufs Tor. „Das war die eine Szene“, sagte Grasmann. „Den Freistoß schießen wir drüber und im Gegenstoß bekommen wir in der letzten Sekunde das 4:4.“ Den Ausgleich erzielte Oleh Yelets, und gerade diese Abfolge machte das Remis für die Gastgeber so schwer verdaulich.
Dass Kirchberg überhaupt so einen offensiven Abend hinlegte, ordnete Grasmann auch vor dem Hintergrund der personellen Situation hoch ein. Die Heimischen mussten auf einen gesperrten Spieler verzichten, dazu fehlte der Spielmacher krankheitsbedingt. „Wir haben trotz zwei wichtiger Ausfälle in der ersten Halbzeit sehr, sehr guten Fußball gespielt“, sagte der Funktionär und hob mehrere Akteure ausdrücklich hervor. Besonders viel Lob gab es für Gabriel Zagler, der mit 15 Jahren nicht nur das 4:2 erzielte, sondern laut Grasmann „wirklich eine Talentprobe abgelegt“ habe. Es war zugleich sein erstes Tor in der Kampfmannschaft. Daneben nannte Grasmann den Kirchberger Tormann, Luca Masching und David Copko als jene Spieler, die aus einer ohnehin starken Mannschaftsleistung noch herausstachen. Auch die Einordnung des Gegners fiel klar aus: „Eichgraben ist eine sehr spielstarke Mannschaft, offensiv mit sehr guten Qualitäten, aber mit großen Schwächen in der Defensive.“ Genau dort setzte Kirchberg vor allem vor der Pause immer wieder erfolgreich an.
Am Ende blieb eine Bewertung, die zunächst widersprüchlich klang, aber gut zum Spiel passte. Grasmann sagte einerseits: „Das Unentschieden geht grundsätzlich in Ordnung, weil Eichgraben die spielstärkere Mannschaft war.“ Andererseits blieb bei Kirchberg das Gefühl, dass an diesem Abend sogar drei Punkte möglich und nach dem Spielverlauf auch greifbar waren. Vor allem die letzte Aktion nagte noch nach, weil direkt nach der Roten Karte und dem eigenen Freistoß eigentlich die Chance da war, die Partie zuzumachen oder zumindest von der Uhr zu nehmen. Stattdessen stand Sekunden später das 4:4 auf der Anzeigetafel. „Das war einfach sehr, sehr bitter“, sagte Grasmann, der aber auch eines festhielt: „Die Mannschaft hat wirklich eine sehr, sehr gute Leistung geboten.“ Genau das ist die Botschaft, die für Kirchberg trotz des späten Dämpfers stehen bleibt.