In der 2. Klasse Triestingtal bekamen die Zuschauer beim 4:9 zwischen SC Schönau und SC Günselsdorf eine Partie zu sehen, die den Gäste-Trainer mit gemischten Gefühlen zurückließ. Adhurim Sahitaj freute sich zwar über neun erzielte Treffer und eine starke zweite Halbzeit, sprach nach dem Schlusspfiff aber vor allem über die groben Fehler vor der Pause und vier Gegentore, die ihm deutlich mehr missfielen als das Offensivfeuerwerk.

Foto: Harald Dostal/fodo.media
Schon der Beginn zeigte, warum Sahitaj später von einer „ganz, ganz komischen Partie“ sprach. Günselsdorf geriet in der 10. Minute durch Paul Andreschitz mit 0:1 in Rückstand, glich aber nur drei Minuten später durch Matthias Gisperg wieder aus. Lange Ruhe brachte das trotzdem nicht. Serdar Özmen stellte in der 16. Minute auf 2:1 für Schönau, ehe Marko Filkovic nach 31 Minuten neuerlich egalisierte. Als Özmen kurz vor der Pause zum zweiten Mal traf und Schönau in Minute 42 wieder in Führung brachte, musste Günselsdorf zum dritten Mal einem Rückstand nachlaufen. Dass Gisperg in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch das 3:3 machte, hielt die Gäste im Spiel. Genau dieser Verlauf war es, der Sahitaj beschäftigte. „Die Partie hat mit absoluten Eigenfehlern von uns angefangen. Auf einmal liegen wir 0:1 zurück“, sagte der Trainer, der vor allem mit der Entstehung der Gegentore überhaupt nicht einverstanden war.
Was sich vor der Pause schon angedeutet hatte, wurde nach dem Seitenwechsel deutlich klarer. In der 59. Minute brachte Daniel Reiner Günselsdorf erstmals an diesem Nachmittag in Führung, und ab diesem Zeitpunkt lief die Partie immer mehr in Richtung der Gäste. Filip Jandrijevic erhöhte in der 65. Minute auf 5:3, nur vier Minuten später legte Reiner mit seinem zweiten Treffer das 6:3 nach. Filkovic machte in der 77. Minute das 7:3, ehe Justin Secco Schönau zwar noch einmal auf 4:7 heranbrachte. Wirklich eng wurde es aber nicht mehr. Gisperg vollendete seinen Dreierpack mit dem 8:4 in der 84. Minute, Filkovic setzte in der Nachspielzeit mit seinem dritten Treffer den Schlusspunkt zum 9:4. Für Sahitaj war diese Phase der klare Wendepunkt. „In der zweiten Halbzeit war wieder das gewohnte Bild von uns. Wir haben das Spiel aufgezogen, gute Pressingsituationen gehabt, gut herausgespielte Chancen und sehr schöne Tore gemacht“, fasste er die starke Phase seiner Mannschaft zusammen.
Trotz der neun Tore wollte der Günselsdorf-Coach den Nachmittag nicht einfach nur als Offensivfest stehen lassen. Viel wichtiger war ihm die Reaktion seiner Mannschaft auf die wiederholten Rückschläge. „Die Moral braucht man nicht diskutieren. Wir waren dreimal in Rückstand und sind dreimal zurückgekommen“, sagte Sahitaj und nannte genau das als größte Stärke seines Teams. Gleichzeitig nahm er seine Mannschaft für die Defensivarbeit klar in die Pflicht. „Was wir uns da heute in der Defensive geleistet haben, war der Höhepunkt dieser Saison – im negativen Sinn“, meinte er sehr deutlich. Dass Schönau aus seiner Sicht aus wenig so viel machte, unterstrich der Trainer mit einem markanten Satz: „Schönau hatte in 90 Minuten keine einzige Torchance und macht vier Tore. Das sagt ja alles.“ Trotzdem vergaß er nicht auf den Gegner. Sahitaj sprach von einem „gewohnten Gegner“, der kämpferisch alles hineingeworfen habe, und sagte auch: „Großen Respekt an Schönau. Die haben gekämpft bis zuletzt.“
Neben der starken zweiten Hälfte hob Sahitaj auch einen personellen Punkt hervor. Für ihn war Daniel Reiner ein wichtiger Faktor, weil der Torschütze sofort Wirkung zeigte und mit zwei Treffern wesentlich dazu beitrug, dass Günselsdorf das Spiel endgültig drehte. Umso mehr ärgerte den Trainer dann die Szene ganz am Ende. In der 90. Minute sah Reiner noch die Rote Karte, und genau darüber sprach Sahitaj auch nach dem klaren Sieg. „Ansonsten war es wirklich eine gute Partie vom Schiedsrichter, aber die letzte Aktion im Match geht einfach nicht“, sagte er und bezeichnete den Ausschluss als überzogen. Am Gesamteindruck des Nachmittags änderte das nichts mehr: Günselsdorf gewann haushoch und verdient, nahm aus Schönau drei Punkte mit und lieferte zugleich eine deutliche Erinnerung daran, woran in den nächsten Wochen gearbeitet werden muss. Neun Tore in einem Meisterschaftsspiel schießt man nicht alle Tage, vier Gegentore nach so vielen Eigenfehlern will Sahitaj aber ganz sicher nicht noch einmal sehen.