Spielberichte

„Wir hätten drei, vier Tore schießen müssen“ – Wietersdorf lässt sich für starken Auftritt nicht belohnen

WSG Wietersdorf
SV Wernberg

In der 1. Klasse Mitte hat sich WSG Wietersdorf im Heimspiel gegen SV Wernberg mit einem 1:1 begnügen müssen. Für Trainer Roman Kerschhakl fühlte sich der Punkt gegen den Tabellenzweiten aber nicht wie ein kleiner Erfolg an. Seine Mannschaft führte zur Pause verdient, hatte danach weiterhin mehr vom Spiel und ließ aus seiner Sicht genau dort etwas liegen, wo die Partie zu entscheiden gewesen wäre: vor dem Tor.

Torwart wartet auf Eckball

Image by Jörg Struwe from Pixabay

Wietersdorf gibt vor der Pause den Ton an

Wer Kerschhakl nach dem Spiel zuhörte, merkte schnell, dass ihn weniger das Ergebnis als die verpasste Belohnung beschäftigte. „Ich habe heute ein sehr gutes Spiel von meiner Mannschaft gesehen. Wir waren über neunzig Minuten die spielbestimmende Mannschaft, hatten spielerisches Übergewicht und sind verdient mit 1:0 in Führung gegangen“, sagte der Wietersdorfer Trainer. Diese Führung fiel kurz vor der Pause. In Minute 44 traf Luka Kolegar zum 1:0, nachdem die Gastgeber nach Aussage ihres Trainers schon davor einen richtig guten Fußball gezeigt hatten. Für Wietersdorf war das der passende Ertrag einer ersten Halbzeit, in der die Hausherren aktiv waren, die Spielkontrolle hatten und dem Spiel ihren Rhythmus gaben.

Der Ausgleich fällt sofort, der Druck bleibt

Der Rückschlag aus Sicht der Gastgeber kam dann unmittelbar nach dem Seitenwechsel. Schon in der 47. Minute glich Kevin Brugger für Wernberg zum 1:1 aus. Kerschhakl sprach von einem Eigenfehler in einer kuriosen Situation und ärgerte sich vor allem darüber, dass seine Mannschaft nach einer bis dahin klaren Linie so schnell den Ausgleich hinnehmen musste. Entscheidend war für ihn aber, dass Wietersdorf danach nicht den Faden verlor. „Wir haben das schnell abgeschüttelt, weitergespielt und weitergearbeitet“, sagte er. Gerade das ließ den Trainer den vergebenen Sieg umso mehr bedauern, denn nach dem 1:1 blieb Wietersdorf am Drücker. „Wir hatten drei, vier hundertprozentige Chancen“, erklärte Kerschhakl, der insgesamt sogar von zehn richtig guten Möglichkeiten und mehreren Halbchancen sprach. Nur das zweite Tor fiel eben nicht mehr.

Kaltschnäuzigkeit fehlt, Moral stimmt

Warum aus dem starken Auftritt am Ende nur ein Punkt wurde, beantwortete der Trainer ohne lange Umwege. „Gefehlt hat heute sicher die Kaltschnäuzigkeit vorm Tor. Wir hätten drei, vier Tore schießen müssen“, sagte Kerschhakl. Gleichzeitig wollte er die Leistung seiner Mannschaft nicht auf die mangelhafte Chancenverwertung reduzieren. „Das Spiel mit Ball hat heute richtig gut funktioniert. Wir waren aktiv, wir hatten Spielkontrolle und waren auch gegen den Ball aggressiv“, bilanzierte er. Auch den Gegner stellte er nicht kleiner dar, als er war, betonte aber dennoch, dass Wietersdorf die 90 Minuten aus seiner Sicht dominiert habe. Bei der Schiedsrichterleistung sah er keine spielentscheidende strittige Szene, merkte aber an, dass einige taktische Fouls von Wernberg aus seiner Sicht ungeahndet blieben. Unterm Strich blieb für ihn trotzdem vor allem eines hängen: „Ein Lob an die Mannschaft für die Moral und den Charakter.“

Ein Punkt, der sich nicht nach einem Punkt anfühlt

Für die Tabelle bringt das Remis Wietersdorf nach fünf Runden auf vier Punkte, viel wichtiger war für Kerschhakl nach diesem Nachmittag aber die Art und Weise des Auftritts. Seine Mannschaft versteckte sich gegen einen Gegner aus der Spitzengruppe nicht, sondern wollte die Partie nach dem schnellen Ausgleich bis zum Schluss gewinnen. Genau dieses Bild hob der Trainer auch hervor. „Ich habe über neunzig Minuten immer den Eindruck gehabt, dass wir die Partie unbedingt gewinnen wollten“, sagte er. Deshalb blieb bei ihm am Ende kein Gefühl der Zufriedenheit zurück, sondern eher der Eindruck, dass zwei Punkte liegen geblieben sind. Wenn Wietersdorf an diese Leistung anknüpft und im Abschluss konsequenter wird, kann dieses 1:1 trotz des Ärgers mehr wert sein, als es das nackte Ergebnis zunächst vermuten lässt.

1. Klasse Mitte: Wietersdorf : Wernberg - 1:1 (1:0)

  • 47
    Kevin Brugger 1:1
  • 44
    Luka Kolegar 1:0