In der 1. Klasse Süd hat SC Aspang gegen SC Berndorf ein spektakuläres 5:4 gefeiert und damit den ersten Sieg nach dem Aufstieg eingefahren. Trainer Dieter Reiberger sah eine intensive Partie mit viel Offensivkraft auf beiden Seiten, machte aber auch klar, warum seine Mannschaft trotz der drei Punkte noch einiges aufzuarbeiten hat: Vorne war Aspang stark, hinten bekam man wieder zu viele Tore.

Foto von Joshua Hoehne auf Unsplash
Schon der Spielverlauf in der ersten Hälfte zeigte, warum Reiberger von einer Partie sprach, die in beide Richtungen hätte gehen können. SC Berndorf legte früh vor, als Mustafa Uysal in der 6. Minute das 0:1 erzielte. SC Aspang arbeitete sich danach aber zurück in die Partie und kam durch Sandro Sinkovits in der 25. Minute zum 1:1. Kurz vor der Pause schlug SC Berndorf noch einmal zu, Amar Dzafo traf in der 40. Minute zum 1:2, ehe dieselbe Personalie wenig später zum großen Knackpunkt wurde. In der 44. Minute sah Amar Dzafo die rote Karte, und genau dort setzte Reiberger mit seiner Analyse an. „Ein Game Changer war mit Sicherheit die rote Karte für Berndorf in der 44. Minute. Das war zu dem Zeitpunkt sicher spielentscheidend, weil wir dann eine ganze Halbzeit mit einem Mann mehr am Platz waren“, sagte der Trainer. Für ihn war danach klar zu erkennen, dass seine Mannschaft mehr Räume bekam und diese vor allem in der Offensive besser nutzen konnte. Gleichzeitig verlor er aber auch die Leistung des Gegners nicht aus dem Blick. „Bis zur roten Karte war Berndorf spielerisch sehr stark“, sagte Reiberger und lobte die technische Qualität des Gegners ausdrücklich.
Was Reiberger nach dem Seitenwechsel sah, entsprach genau dem Bild, das er im Gespräch beschrieb. SC Aspang kam mit viel Druck aus der Kabine und drehte das Spiel innerhalb weniger Minuten. In der 55. Minute stellte Jetmir Torra auf 2:2, nur eine Minute später traf derselbe Spieler auch zum 3:2. Reiberger sprach von „richtig starken fünfzehn, zwanzig Minuten“ seiner Mannschaft, in denen drei Tore fielen. Den deutlichsten Ausschlag gab für ihn die Effizienz seines Torjägers. „Jetmir Torra wird von Woche zu Woche stärker. Er braucht nicht viele Chancen, und das hat man gestern gesehen. Er kommt, und wir sind eine andere Mannschaft, wenn er am Platz steht“, sagte Reiberger. In der 72. Minute schnürte Torra mit dem 4:2 seinen Dreierpack und unterstrich damit genau jene Kaltschnäuzigkeit, die sein Trainer an ihm hervorhob. Ganz entschieden war die Partie trotzdem noch nicht, weil SC Berndorf mit Baran Kaplan in der 75. Minute auf 4:3 verkürzte. SC Aspang antwortete aber noch einmal, Lukas Aigner stellte in der 79. Minute auf 5:3. Dass es am Ende trotzdem noch eng wurde, lag am Treffer von Kevin Jasari zum 5:4 in der 87. Minute. Reiberger sah darin einmal mehr bestätigt, dass beide Mannschaften offensiv viel Qualität haben. „Die größte Stärke von beiden Mannschaften ist definitiv die Offensive“, sagte er und betonte auch, dass SC Berndorf mit seinen spielstarken Akteuren jeder Mannschaft in dieser Liga Probleme bereiten könne.
So groß die Erleichterung über die ersten drei Punkte auch war, Reiberger machte nach dem Schlusspfiff keinen Hehl daraus, wo er den größten Handlungsbedarf sieht. „Definitiv in der Defensive. Wir bekommen zu leichte Tore“, sagte der Trainer sehr klar. Für ihn lag das Problem nicht in überragenden Aktionen des Gegners, sondern vor allem im eigenen Verhalten. „Wir bekommen die Tore, weil wir es nicht gut machen, weil wir nicht konsequent genug in den Zweikämpfen sind und nicht aufmerksam genug sind, um die richtigen Dinge in den richtigen Situationen zu machen“, erklärte er. Gerade für einen Aufsteiger sei das ein Punkt, der sofort besser werden müsse. Den Vergleich zum Vorjahr zog Reiberger selbst: Damals stellte seine Mannschaft noch die beste Defensive, jetzt standen nach zwei Spielen bereits sieben Gegentreffer zu Buche. Daneben sprach er auch über einige strittige und für beide Seiten nicht immer leicht nachvollziehbare Regelauslegungen, wobei er die rote Karte grundsätzlich für vertretbar hielt. Viel wichtiger war ihm am Ende aber die Wirkung des Erfolgs auf seine Mannschaft. „Für uns waren diese ersten drei Punkte total wichtig. Wir sind Aufsteiger, wir sind neu in der Liga. Das pusht die Mannschaft definitiv“, sagte Reiberger. Gleichzeitig wisse seine Mannschaft nun auch, dass es in der 1. Klasse Süd nicht reichen werde, wenn man nur bei 80 oder 90 Prozent liegt. Genau zwischen diesen beiden Polen steht der Abend des SC Aspang: viel Selbstvertrauen durch ein spektakuläres 5:4, aber auch eine sehr deutliche Erinnerung daran, dass es defensiv rasch stabiler werden muss.