Spielberichte

„Wir haben uns nicht aufgegeben“ – Grabern dreht in Enzersfeld ein 0:3 noch zum 4:3

SC Enzersfeld/W.
SU Grabern

In der 2. Klasse Pulkau-/Schmidatal hat die SU Grabern beim SC Sparkasse Enzersfeld/W. einen schon fast verlorenen Abend noch in einen 4:3-Auswärtssieg verwandelt. Sektionsleiter Ernst Semmelmeyer sah trotz einiger Ausfälle eine lange ordentliche Leistung seiner Mannschaft, ärgerte sich über vergebene Großchancen und hob vor allem den Glauben an die Wende hervor: „Wir haben uns nicht aufgegeben.“

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Lange gut drin, aber Enzersfeld trifft zur rechten Zeit

Aus Graberner Sicht begann die Partie laut Semmelmeyer durchaus ordentlich. „Wir waren trotz einiger Ausfälle von Anfang an gut im Spiel und haben hinten wenig zugelassen“, sagte der Sektionsleiter. Gerade das war für ihn bemerkenswert, weil die Gäste mit einer sehr jungen Defensive antreten mussten. Auch nach vorne sei seine Mannschaft immer wieder zu Möglichkeiten gekommen, nur die letzte Konsequenz habe gefehlt. Besonders schmerzhaft war für ihn die Phase kurz vor der Pause. Oliver Schinagl vergab per Kopf eine große Chance, und praktisch im Gegenzug brachte David Lang Enzersfeld mit 1:0 in Führung. Nach dem Seitenwechsel setzte sich dieses Muster zunächst fort. Marko Petrovic scheiterte allein vor dem Tor, wenig später erhöhte Fabian Rabo auf 2:0. Als Florian Ivanitsch in der 66. Minute das 3:0 nachlegte, war Grabern aus Sicht vieler wohl schon geschlagen, auch wenn Semmelmeyer beim Entstehen dieser Szene ein mögliches Foul im Mittelfeld gesehen hatte.

Innerhalb weniger Minuten kippt das Spiel komplett

Was dann folgte, war die Phase, in der Grabern diesen Abend endgültig für sich drehte. Semmelmeyer betonte, dass seine Mannschaft auch nach dem 0:3 nicht auseinanderfiel. „Die Mannschaft hat sich trotzdem nicht aufgegeben und alles reingeworfen“, sagte er. Nur drei Minuten nach dem dritten Gegentreffer verkürzte Marko Petrovic auf 3:1, nachdem eine Standardsituation für Unordnung gesorgt hatte. Kurz darauf brachte Petrovic erneut Tempo in die Szene, seine Hereingabe führte zu einem Handspiel im Strafraum, und Oliver Schinagl verwertete den Elfmeter trocken zum 3:2. Damit war Enzersfeld plötzlich wieder unter Druck. Grabern bekam laut Semmelmeyer „die zweite Luft“, während die Heimischen nervöser wurden. Nach einer Ecke klärten die Gastgeber nicht entscheidend, Salih Önsoy übernahm den Ball und traf in der 76. Minute zum 3:3. Aus einem scheinbar klaren Heimspiel war binnen weniger Augenblicke wieder eine völlig offene Partie geworden.

Teamgeist, kompakte Ordnung und ein klarer Kritikpunkt

Für Semmelmeyer lag der entscheidende Unterschied am Ende nicht in einem einzelnen taktischen Kniff, sondern im Gesamtauftritt seiner Mannschaft. „Der Kampfgeist, das Mannschaftsgefüge, der Teamgeist und der Glaube, trotz Rückstand noch etwas mitnehmen zu können“, seien ausschlaggebend gewesen, erklärte er. Gerade weil Grabern laut Semmelmeyer lange auf einen Sieg warten musste, misst er dieser Moral besonderes Gewicht bei. Auch spielerisch fand er einige Ansätze positiv. „Wir sind hinten gut gestanden, trotz einer sehr jungen Verteidigung. Die Mannschaft ist kompakt gestanden und hat gut verschoben“, sagte er. Gleichzeitig sprach er aber auch klar an, wo noch Luft nach oben ist. „Wenn man etwas bemängeln kann, dann die Chancenauswertung.“ Genau daran machte er die schwierige Ausgangslage fest, weil seine Elf sowohl vor dem 0:1 als auch vor dem 0:2 beste Möglichkeiten vergeben hatte. Zum Gegner meinte Semmelmeyer, Enzersfeld habe „mit vielen zweiten Bällen gearbeitet“ und seine Chancen zunächst „echt gut genutzt“. Dem Schiedsrichter wollte er trotz einiger knapper Abseitsentscheidungen ausdrücklich keinen Vorwurf machen.

Schinagl entscheidet den wilden Schlussakkord

Der verrückte Schluss passte schließlich zu einem Spiel, das für Grabern schon mehrfach verloren schien. Semmelmeyer schilderte, dass die Gäste kurz vor Schluss sogar noch einen Strafstoß gegen sich hinnehmen mussten, den ihr Torhüter jedoch hielt und damit die Chance auf die komplette Wende am Leben ließ. Danach ging es schnell in die andere Richtung. Ein flacher Ball kam auf Oliver Schinagl, der den gegnerischen Torhüter umkurvte und vor dem leeren Tor zu Fall gebracht wurde. „Hauptsache Elfmeter“, sagte Semmelmeyer zu dieser Szene, die für Grabern zum Matchball wurde. Schinagl trat selbst an und verwandelte in der 90. Minute eiskalt zum 4:3. Damit war die Aufholjagd vollendet. Semmelmeyer sprach danach von einem verdienten Sieg, „wenn man 3:0 aufholt“. Dazu kam noch die Hoffnung, dass die Blessur von Jonas Landrichter nach einem harten Zweikampf nichts Gröberes ist. Sportlich aber nahm Grabern aus diesem Abend vor allem eines mit: drei Punkte und das Gefühl, sich als echte Einheit zurückgemeldet zu haben.

2. Klasse Pulkau-/Schmidatal: Enzersfeld : Grabern - 3:4 (1:0)

  • 90
    Oliver Schinagl 3:4
  • 76
    Salih Önsoy 3:3
  • 71
    Oliver Schinagl 3:2
  • 69
    Marko Petrovic 3:1
  • 66
    Florian Ivanitsch 3:0
  • 55
    Fabian Rabo 2:0
  • 45
    David Lang 1:0