In der 2. Klasse Waldviertel Süd hat der ASV Gutenbrunn beim SV Jauerling ein Spiel gewonnen, das mehrmals die Richtung wechselte. Die Gäste lagen schon 3:1 vorne, gerieten danach 3:4 in Rückstand und setzten sich am Ende doch noch mit 5:4 durch. Trainer Ronald Angerer hob danach vor allem die Moral seiner Mannschaft hervor, sprach aber auch offen darüber, wie sehr eine Umstellung seinem Team zwischenzeitlich die Kontrolle genommen hatte.

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Aus Sicht von Ronald Angerer begann die Partie ohne lange Anlaufzeit, aber zunächst auch ohne klare Überlegenheit einer Seite. „Am Beginn des Spiels war es relativ offen, mit einem leichten Chancenplus für uns“, sagte der Gutenbrunn-Trainer, und genau so entwickelte sich auch der erste Abschnitt. Die Gäste fanden etwas öfter den Weg in gefährliche Zonen und belohnten sich in der 29. Minute, als Jakub Mucka nach einem Eckball zur 1:0-Führung einköpfte. Diese Führung gab Gutenbrunn laut Angerer merklich Halt. „Die Führung hat uns Sicherheit gebracht“, erklärte er. Ganz ruhig blieb die Partie trotzdem nicht, weil Mugove Leroy Munyorove in der 40. Minute mit einem Schuss aus rund 20 Metern zum 1:1 ausglich. Dass Gutenbrunn trotzdem mit einem guten Gefühl in die Pause ging, lag an Gregor Zeinzinger. Er stellte noch vor dem Halbzeitpfiff auf 2:1 und sorgte damit für einen Treffer, den Angerer im Rückblick als besonders wichtig einstufte: „Das 2:1 mit dem Halbzeitpfiff war sehr wichtig.“
Auch nach dem Seitenwechsel sah Angerer seine Mannschaft zunächst in einer guten Position. Er sprach davon, dass Gutenbrunn wieder die besseren Chancen gehabt habe, ehe in der 58. Minute das 3:1 fiel. Jakub Mucka leitete den Konter ein, Jakob Ehn vollendete, und zu diesem Zeitpunkt sprach viel für einen Auswärtssieg ohne ganz großes Zittern. Doch genau danach kippte die Partie. Angerer schilderte, dass eine verletzungsbedingte Auswechslung und die notwendige Umstellung sein Team aus dem Tritt brachten. „Mit der Verletzung und der Umstellung haben wir komplett das Spiel aus der Hand gegeben“, sagte er. Nur zwei Minuten nach dem 3:1 verkürzte Sebastian Werner auf 2:3. Danach verlor Gutenbrunn laut seinem Trainer „die Kompaktheit und die Kontrolle“, und Jauerling nutzte diese Phase konsequent. Noch einmal Sebastian Werner stellte in der 65. Minute auf 3:3, ehe Adriano Harcek in der 70. Minute das Spiel mit dem 4:3 endgültig auf den Kopf stellte. Für die Gäste war das jene Phase, die Angerer auch im Nachhinein klar benannte: „Da waren wir nicht kompakt genug, und das hat Jauerling eiskalt ausgenutzt.“
Dass die Partie danach noch einmal eine Wendung bekam, war für Angerer vor allem eine Frage des Charakters. „Nach dem 4:3 habe ich geglaubt, jetzt zerfällt die Mannschaft“, gab er offen zu. Stattdessen kam genau das Gegenteil. Gutenbrunn fing sich wieder, schaffte in der 74. Minute durch Jakob Ehn das 4:4 und hatte damit plötzlich wieder alles offen. Angerer nannte dieses Tor einen ganz wichtigen Punkt im Spiel, weil es seiner Mannschaft „noch einmal eine Viertelstunde vor Schluss die Möglichkeit gegeben hat, die drei Punkte zu machen“. Genau diese Chance nutzte Gutenbrunn dann auch. In der 84. Minute traf Kapitän Michael Temper zum 5:4, und Angerer fand für den entscheidenden Treffer klare Worte. Er sprach von einem „Traumtor“, einem Volleyschuss aus rund 20 Metern neben die Stange. Damit war ein Spiel entschieden, in dem die Gäste zunächst vorgelegt, danach fast alles verspielt und sich am Ende doch noch belohnt hatten.
In seiner Einordnung hielt sich der Gutenbrunn-Coach nach dem Schlusspfiff nicht lange mit allgemeinen Floskeln auf. Er sah ein „relativ ausgeglichenes Spiel“, in dem seine Mannschaft insgesamt aber die besseren Torchancen vorgefunden habe. Vor allem die eigene Torgefahr stellte er heraus: „Wenn man auswärts fünf Tore schießt, ist das natürlich super.“ Noch wichtiger war für ihn aber die Reaktion nach dem Rückstand. „Moral und Kampfgeist waren dann echt das große Plus“, sagte Angerer und verwies auch auf die beiden vorangegangenen Spiele, in denen seine Mannschaft ebenfalls schon Widerstandskraft gezeigt hatte. Ganz ohne Kritik wollte er den wilden Nachmittag aber nicht abhaken. Dass aus einem 3:1 innerhalb kurzer Zeit ein 3:4 wurde, ärgerte ihn sichtbar. „An dem müssen wir arbeiten. Das darf uns nicht mehr passieren“, meinte der Trainer. Mit dem dritten Sieg im vierten Spiel hält Gutenbrunn nun bei neun Punkten und bleibt vorne dabei – auch wenn dieser Erfolg vor allem gezeigt hat, wie schmal der Grat zwischen Kontrolle und Chaos sein kann.