Ein denkwürdiger Abend in der 2. Klasse Weinviertel: Der USC Wetzelsdorf führte gegen den SCU Altlichtenwarth nach nicht einmal einer halben Stunde 4:0 – am Ende jubelten aber die Gäste über ein 4:5. Altlichtenwarth verkürzte noch vor der Pause und drehte die Partie nach dem Wechsel mit einem späten Doppelschlag. „Es war ein Wechselbad der Gefühle“, sagte Trainer Hannes Kantner, der das 4:2 als Knackpunkt sah. Den Sieg fixierte Manuel Müller mit einem satten Weitschuss – ein Auswärtscoup mit Nachhall.

Image by Alexander Fox | PlaNet Fox from Pixabay
Wetzelsdorf erwischte einen Traumstart und hatte die Partie in der ersten halben Stunde klar im Griff. Lukas Kocis traf in Minute 11 zum 1:0, zwei Minuten später erhöhte Stefan Kemminger auf 2:0. Mit einem Doppelschlag in der 27. und 29. Minute schraubten Josef Chromecek und Pascal Schwungfeld das Ergebnis sogar auf 4:0. „In den ersten dreißig Minuten war Wetzelsdorf spielbestimmend“, sagte Hannes Kantner. „Sie haben das Tempo hochgehalten, sehr direkt gespielt, und da ist ihnen fast alles aufgegangen – jeder Schuss war drinnen.“ Altlichtenwarth fand aber noch vor der Pause zurück: Dominik Pajducak verkürzte in der 37. auf 4:1 und legte in der 42. zum 4:2 nach. „Der entscheidende Moment war sicher das 4:2, das uns noch einmal Hoffnung gegeben hat, dass wir in Wetzelsdorf etwas erreichen können“, betonte Kantner. Er schilderte das 4:2 zudem als „schön herausgespielt – eine Flanke von Jürgen Tanzer auf Dominik Pajducak, der in der Mitte freistand“.
Nach dem Seitenwechsel blieben die Gäste am Drücker. In der 54. Minute stellte Radim Kleiber auf 4:3, ab da kippte die Stimmung spürbar. „Wir sind eher glücklich zum 4:1 gekommen, danach ist das Spiel in unsere Richtung gelaufen. Beim 4:3 ist es auf der Kippe gestanden“, so Kantner. Er räumte zugleich ein: „Dann waren zehn Minuten, in denen Wetzelsdorf besser war, sie hätten vielleicht das 5:3 machen können.“ Altlichtenwarth hielt dagegen – mit Willen und langem Atem. „Gut funktioniert hat sicher die Leistung ab der 30. Minute. Wir haben uns nicht aufgegeben und immer wieder Willen gezeigt. Verbessern müssen wir die ersten 30 Minuten“, stellte der Trainer klar. Der verdiente Ausgleich fiel in Minute 76, als Jürgen Tanzer nach einem Abwehrfehler zum 4:4 abstaubte. „Das 4:4 war ein Fehler in der Abwehr, nach dem Jürgen Tanzer zum Ball gekommen ist und ihn gemacht hat“, sagte Kantner nüchtern.
Der Schlusspunkt folgte nur zwei Minuten später und passte zu diesem wilden Spiel: Manuel Müller zog aus rund 30 Metern ab und traf in der 78. Minute trocken ins Eck zum 4:5. „Das Siegestor war ein Konter, dann ein Weitschuss von 30 Metern, abgeschlossen von Manuel Müller – genau ins Eck. Ein guter, platzierter Abschluss“, beschrieb Kantner. Zur Dramaturgie gehörten auch diskutable Szenen, die der Coach fair einordnete: „Die ersten zwei Tore von Wetzelsdorf waren sicher strittig – vielleicht ein Handspiel beim 1:0, beim 2:0 Abseits. Auch bei uns sollen das 4:3 und das 4:4 aus Abseitspositionen gefallen sein. Ich kann es nicht hundertprozentig sagen.“ Unabhängig davon war es eine absolute Seltenheit: „Wenn man vier Tore aufholt – so etwas passiert wahrscheinlich nur ein-, zweimal in einer Karriere. Eine Verunsicherung bei Wetzelsdorf und eine zweite Luft bei uns.“ Für die Tabelle bedeutet der Coup beim Zweiten (Wetzelsdorf mit 46 Zählern) ein kräftiges Zeichen des Elften Altlichtenwarth (21 Punkte). Die Gäste nehmen den Schwung mit – und wissen zugleich, dass sie die ersten 30 Minuten künftig enger halten müssen.