Die Exklusiv-Nachricht von ligaportal.at, wonach sich der Kremser SC von Willi Schmircher als Trainer getrennt hat, sorgt in der Fußball-Szene für Aufsehen. Der sportliche Berater des Kremser Präsidiums, Georg Stierschneider, nahm zu den Gründen für die Ablöse ausführlich Stellung. Im Gespräch mit ligaportal.at äußerte sich Stierschneider über die Ablöse Schmirchers, die Erwartungen an Schinkels sowie Gegenwart und Zukunft des Vereins.
Ligaportal.at: Herr Stierschneider. Die Trainer-Uhr ist für Willi Schmircher in Krems abgelaufen. Welche waren die Gründe für die Trennung?
Stierschneider (im Bild rechts): "Zunächst möchte ich festhalten, dass wir uns im Guten von Schmircher getrennt haben. Schmircher ist menschlich absolut in Ordnung, die Situation für jene Person, welche die Entscheidungen fällt, ehrlich gesagt beschissen. Doch Ziffern & Zahlen sprachen gegen den Trainer, der letztendlich eine große Verantwortung fürs sportliche Abschneiden trägt."
Ligaportal.at: 14 Punkte aus 20 Spielen ergeben den aktuellen 7. Platz. Der Kremser SC war mit wesentlich höheren Erwartungen in die Saison gegangen?
Stierschneider: "Das ist absolut richtig. Wir versuchen jetzt mit Frenkie Schinkels, der bis Sommer interimistisch das Trainer-Amt übernimmt, wieder frischen Wind ins Team zu bekommen. Es gibt wohl keinen besseren Motivations-Künstler als ihn. Wir erwarten uns von ihm, dass er die Mannschaft neu motiviert, es beginnt eine neue Zeitrechnung. Morgen, Samstag, leitet er das erste Training als Chef-Trainer. Er gibt den Takt und das Konzept vor."
Ligaportal.at: Die Trennung erfolgt fünf Tage nach der Niederlage in Seitenstetten, das für heute geplante Spiel gegen Spratzern wurde bereits abgesagt. Warum hat man gerade jetzt den Schlussstrich gezogen?
Stierschneidder: "Wir haben die Situation ausführlichst analysiert. Wir haben sechs, sieben positive Punkte herausgestrichen, aber auch ebenso viele negative. Die Mannschaft hat uns bislang schlicht enttäuscht, da gehört auch der Trainer dazu. Wir haben uns daher vor dem nächsten Spiel am 6. April in Rohrendorf dazu entschlossen, Konsequenzen zu ziehen. Auch als Signal gegenüber Sponsoren und der Fan-Gemeinde. Diese Mannschaft hat zu 100 Prozent das Potenzial, um den Titel mitzuspielen. Es fehlt ihr aber vielleicht an der Sieger-Mentalität. Und die Letzt-Verantwortung trägt nun mal auch der Trainer mit."
Ligaportal.at: Schmircher hat gegenüber Ligaportal.at die Trainings-Bedingungen scharf kritisiert und gemeint, der Au-Platz sei eine Katastrophe. Wie sehen Sie das?
Stierschneider: "Wir wissen, dass auf diesem Gebiet Nachholbedarf besteht. Wir haben die Möglichkeit, pro Woche zweimal im Stadion zu tranieren, doch dazu muss das Wetter auch passen. Wir werden hier in Bälde mit Unterstützung der Gemeinde viel Geld in die Hand nehmen, um die Dinge zu verbessern. Auf diesem Platz haben schon andere Größen trainiert, wie Argentiniens Weltmeister Mario Kempes, und da war der Platz auch in keinem besseren Zustand."
Ligaportal.at: Ferner meinte Schmircher, der KSC hätte im Gegensatz zu anderen Klubs auch nicht die finanziellen Möglichkeiten. Die sportlichen Ansprüche wären folgedessen einfach zu hoch.
Stierschneider: "Der Verein war vor 2,5 Jahren noch hoch verschuldet, da ist klar, dass wir in der Zwischenzeit keine dicken Sparbücher anlegen konnten. Doch wir bieten seit 2,5 Jahren sehr vernünftige Aufwands-Entschädigungen, welche wir Monat für Monat pünktlich bezahlen. Es gibt auch noch kleine Rest-Bestände an Altlasten, zu bezahlende Raten, deren Fristen von uns ebenso eingehalten werden. Es kommen ständig neue Sponsoren zum Verein hinzu. Ich bin sehr stolz darauf, was auf diesem Gebiet in den letzten 2,5 Jahren passiert ist. Mehr als in den 15 Jahren davor."
Ligaportal.at: Wie lauten die Ziele für den restlichen Saisonverlauf. Ist der Titel noch ein Thema?
Stierschneider: "Nein, das Wort Titel nehmen wir nicht mehr in den Mund. Da wären wir Phantasten. Es hat nach den voran gegangenen Plätzen vier und acht im Herbst einen Knick gegeben, obwohl wir die Mannschaft verstärkt hatten. Wir sind nun auf der Suche nach einem Trainer für die neue Saison, wollen nächste Saison um den Titel mitspielen."
Was der nunmehrige Ex-Trainer Willi Schmircher zu seinem Rauswurf zu sagen hat, lesen Sie hier.
Christian Reichel