2. Landesliga West

Frenkie Schinkels: "Ich spiele jetzt mal die Feuerwehr"

Heute, kremser scSamstag, hat Frenkie Schinkels seinen offiziellen Amtsantritt: Der 50-Jährige folgt in der 2. LL West Willi Schmircher als Trainer des Kremser SC nach, leitet am Vormittag das erste Training. Die Mannschaft hat er in den letzten drei Monaten in seiner Funktion als Sportdirektor kennengelernt. ligaportal.at verriet er, warum der Trainer-Job in Krems für ihn keine Dauerlösung ist, was er über die Mannschaft denkt und was sein im April erscheinendes Buch "Die nackte Wahrheit" zu bieten hat.

 

Ligaportal.at: Herr Schinkels, willkommen zurück auf der Cheftrainer-Position. Sie bekleiden nun in Krems eine Doppelfunktion, fungieren seit Jänner bereits als Team-Manager. Worin sehen Sie Ihre Aufgabe?

Schinkels: "Ich bin Teil von einer Gruppe, die unbedingt will, dass der Traditionsverein Kremser SC mindestens wieder in die Regionalliga zurückkehrt. Dafür liegen ambitionierte Pläne auf den Tisch, und da mache ich gerne mit."

 

Ligaportal.at: Sie sind seit rund drei Monaten für den Kremser SC im Einsatz. Wie schaut ihr erstes Fazit aus?

Schinkels: "Ich kam nach Krems, um Willi Schmircher zu unterstützen. Ich habe die ganze Vorbereitung mit ihm bestritten, hielt mich dabei im Hintergrund, als einer, der alles beobachtet. Ich habe Schmircher aber nicht drein geredet. Wir gingen mit acht Punkten Rückstand ins Frühjahr und mit dem Ziel, der Spitze näher zu rücken. Nach dem ersten Spiel und dem 2:3 in Seitenstetten sind es nun aber elf Zähler. Da sind im Verein einige nervös geworden."

 

Ligaportal.at: So nervös, dass es nun zum Trainerwechsel kam?

Schinkels: "Im Präsidium haben einige nur noch schwarz gesehen. Okay, die Klubfarben sind schwarz-weiß, doch wenn nur noch schwarz übrig bleibt, dann ist Feuer am Dach. Am Ende stand der Entschluss, Willi Schmircher zu feuern."

 

Ligaportal.at: Eine Doppel-Funktion, welche Sie bis zum Saisonende bekleiden?

Schinkels: "Ich spiele jetzt mal die Feuerwehr, doch parallel beginnt auch die Suche nach einem neuen Trainer. Ich trete jetzt den Job als Fußball-Trainer im Amateur-Bereich an, für den ich ehrlich gesagt wenig Zeit habe. Ich habe viele Termine im Fernsehen und in der Unterhaltungs-Branche, da passiert viel am Abend. Da sehe ich jetzt schon Kollisions-Probleme auf mich zukommen. Es wäre schön, wenn wir auf dem Trainersektor rasch eine Lösung finden. Ich bin aber gerne bereit, dem Verein zuliebe mal einzuspringen."

 

Ligaportal.at: Welches Bild haben Sie von der Mannschaft in den vergangenen Wochen gewonnen?

Schinkels: "Als Trainer musst Du Dich auch jederzeit selbst hinterfragen. Wenn Schmircher das getan hat, wird er drauf gekommen sein, dass er mit manchen Spielern nicht rechnen konnte. Nicht alle Spieler brachten die erforderliche Qualität ein, das Problem lag in den Füßen, im Kopf oder schlicht bei der Einstellung. Wenn Du merkst, dass nicht alle mitziehen, ist das schlecht für den Trainer. Die Wahrheit liegt immer auf dem Platz."

 

Ligaportal: Wo werden Sie den Hebel ansetzen?

Schinkels: "Ich werde mir die Mannschaft ganz genau anschauen und mir beim einen oder anderen Spieler die Bestätigung holen, dass er tatsächlich nicht bereit ist, alles zu geben. Auch wenn er von den Voraussetzungen her durchaus die Qualität mitbringen würde. Diese Herren werden nächste Saison nicht mehr in Krems, sondern zwei bis drei Ligen tiefer zu sehen sein."

 

Ligaportal.at: Welche sportlichen Ziele verfolgen Sie mit dem Verein?

Schinkels: "Eines ist klar: Der Titel ist in dieser Saison inzwischen unerreichbar. Unser gemeinsames Ziel ist es, dass der Verein im Jahr 2019, wenn er sein 100-Jahr-Jubiläum feiern wird, wieder retour in der Regionalliga ist. Da wäre es schon, wenn es nächste Saison mit dem ersten Schritt klappt - dem Aufstieg in die 1. Landesliga."

 

Ligaportal.at: Sie arbeiteten in den letzten Monaten gemeinsam mit zwei Journalisten auch an ihrem Buch "Die nackte Wahrheit". Ein Buch, auch zu denThemen Sex, Affären, Drogen, Doping, Schwarzgeld und Burnout. Die Präsentation steigt Ende April in Wien.

Schinkels: "DiSchinkels-Buche zentrale Botschaft, die ich darin allen mitteilen will, lautet: Du musst im Leben immer wieder aufstehen, weiter machen. Egal, ob im Berufsleben, im Privatleben oder auch im Fußball. Der Buch-Titel "Die nackte Wahrheit" entspricht meinem Naturell: Wenn ich die Wahrheit sage, dann sage ich sie komplett, ohne Umschweife. Außerdem habe ich ein Lied veröffentlicht, das den Namen "Dancing Stars" trägt. Diesen Song werde ich auch bei meinen Buch-Präsentationen zum Besten geben."

 

Ligaportal.at: Sie sprechen in ihrem Buch - der "Kärntner Monat" brachte Vorabzüge - offen einige Punkte an. Dass Sie als Bundesliga-Trainer von Austria Kärnten so viel verdienten wie vorher und nachher nie mehr - 18.000 Euro netto pro Monat. Und sie erzählen, wie Sie als Trainer anonyme Drohungen erhielten.

Schinkels: "AlsSchinkels-Jubel ich vorm Spiel mit Austria Kärnten in Mattersburg unsere Aufstellung ohne Matthias Dollinger bekannt gab, rief mich ein Mann an, nannte mich mieses kleines Arschloch und meinte: "Du musst in Zukunft gut auf dich aufpassen." Zu meiner Zeit in Kärnten war ich mittendrin statt nur dabei. Auf der einen Seite mein Präsident Canori, auf der anderen Seite Landeshauptmann Dörfler. Dieser Spagat hat mir mehr Energie gekostet als einige Meisterschafts-Spiele."

 

Ligaportal.at: Die Situation in Kärnten ist mit jener in Krems unter einem Gesichtspunkt vergleichbar - auch in Klagenfurt stiegen Sie als Sportdirektor ein, um kurze Zeit später auch noch in die Trainerrolle zu schlüpfen.

Schinkels: "Die Spieler in Klagenfurt hatten meinen Trainer-Vorgänger damals gebrochen, er weinte bei seinem Abschied in der Kabine. Ich beendete den Schmusekurs, mischte im ersten Training die Grüppchen durch und ließ sie um Geld gegeneinander spielen. Zehn gegen zehn, jeder zahlte 100 Euro Einsatz. Die Brutalo-Therapie zeigte schnell Wirkung. Einem Fußballer kannst Du alles nehmen, aber nicht sein Geld."

 

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Der gefeuerte Coach Willi Schmircher über Anspruch und Wirklichkeit in Krems

Georg Stierschneider, sportlicher Berater des Präsidiums, über Schmircher, Schinkels & den Status quo

 

Christian Reichel